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Gute Geschäfte erhalten Frieden

Russlandtag in Mecklenburg-Vorpommern im Zeichen der Ukraine-Krise

  • Von Fabian Lambeck, Rostock
  • Lesedauer: 3 Min.
Deutsche und Russen demonstrierten auf dem Russlandtag, dass man trotz Sanktionen weiterhin Geschäfte machen will.

Ursprünglich war der Russlandtag, den die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns am Mittwoch ausrichtete, als regionales Wirtschaftstreffen gedacht. Doch Ereignisse in der Ukraine verliehen dem Kongress bundespolitische Brisanz. Grünen-Chef Cem Özdemir und CDU-Vertreter hatten Landesvater Erwin Sellering (SPD) im Vorfeld aufgefordert, die Veranstaltung abzusagen. Letztendlich fanden sich aber nur ein paar protestierende Grüne vor dem Warnemünder Kurhaus ein, um darauf hinzuweisen, dass Wirtschaft auch »Demokratie und Völkerrecht« brauche. In der Union hatten sich die Pragmatiker durchgesetzt, und so ließ sich auch Landeswirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) blicken.

Schon während der Auftaktveranstaltung war zu spüren, dass sich beide Seiten demonstrativ um Harmonie bemühten. Auch der Shantychor Breitling wollte da nicht aus der Reihe fallen und eröffnete das Treffen mit einer Version von »Ejuchujem«, dem Lied der Wolgaschlepper - natürlich auf Russisch. Ministerpräsident Sellering warnte die Anwesenden davor, das Treffen mit politischen Statements oder Forderungen zu überfrachten. »Die politischen Gespräche zur Lösung der Krise« müssten »auf anderer Ebene geführt werden«.

Mecklenburg-Vorpommern ist auf gute Beziehungen zu seinem großen östlichen Nachbarn angewiesen. Wie Sellering betonte, sei Russland im ersten Halbjahr 2014 der zweitwichtigste Handelspartner des Nordostens gewesen. Die Werften des Landes befinden sich komplett in russischer Hand, ebenso wie ein großes Holzverarbeitungswerk in Wismar. Zudem trifft die Erdgas-Pipeline »Nord Stream« bei Greifswald auf Land. Auch deshalb fand Sellering lobende Worte für seinen Parteikollegen Gerhard Schröder, der als Ehrengast in Rostock erwartet wurde. Schröder sei es gelungen, so Sellering, »eine vertrauensvolle Partnerschaft zu unserem Nachbarn Russland auszubauen«. Dazu gehörte eben auch der Bau von Nord Stream. Als der Ex-Kanzler und heutige Gazprom-Lobbyist dann während Sellerings Rede den Saal betrat, brandete spontaner Beifall unter den Gästen auf.

Seinen ganz großen Auftritt sollte Schröder aber erst am Mittwoch haben, als er vor dem Podium im Hotel Neptun eine Rede hielt, deren Manuskript er vorab an »Bild« geschickt hatte. »Nur, wer miteinander spricht und wer zuhört, der kann die Position des anderen verstehen, auch wenn er sie nicht teilt«, so Schröder. Auch deshalb outete er sich als »Russland-Versteher« und ergänzte: »Ich schäme mich dafür nicht, im Gegenteil: Ich bin stolz drauf.«

Er verwies auf die historischen Erfahrungen, die Russland mit seinen Nachbarn machen musste. Dazu zählen auch jene 27 Millionen Sowjetbürger, die im Zweiten Weltkrieg ihr Leben ließen. Seit Napoleons Russlandfeldzug fühle sich Russland vom geografischen Westen bedroht. »Dreimal stand der Feind tief im Land«, unterstrich Schröder, der auch seinen früheren Superminister und neoliberalen Lobbyisten Wolfgang Clement mitgebracht hatte. Der ehemalige Genosse leitete einen der Branchenworkshops. Hier in Rostock ging es eben nicht nur um Weltfrieden, sondern auch um Arbeitsplätze, wie der Präsident der Rostocker Industrie- und Handelskammer, Claus Ruhe Madsen, klar machte.

Doch auch wenn die rund 400 Teilnehmer aus Wirtschaft und Politik einander versicherten, wie sehr man aufeinander angewiesen sei: Als Russlands Botschafter Wladimir Grinin in seiner Rede die »aufstrebenden Nationen Asiens« lobte, verstanden viele diese Warnung.

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