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Tiefer rein

Caribou: »Our Love«

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Als mit »Andorra« jenes Album erschien, das den kommenden Ruhm Caribous ermöglichte, durfte man sich Dan Snaith als rastlos-glücklichen Menschen vorstellen: Der damals 28-Jährige brauchte nicht mehr als drei Stunden Schlaf, zog Inspiration aus allem, was er tat. Das war sehr viel, er nannte sich selber einmal hyperaktiv. 600 Songs und Skizzen befanden sich 2007 auf seiner Festplatte. Heute, sieben Jahre später, sind’s um die 800. Von künstlerischer Ruhe keine Spur.

Eine Nacht auf LSD in der kanadischen Wildnis brachte den promovierten Mathematiker auf den Einfall, sich, der Natur anverwandelnd, Caribou zu nennen. Der bedeutungsvoll schillernde Titel »Andorra« passt zum Künstleralias, das Album selbst ist das herzergreifende Resultat hibbeliger Nachtsessions. Dank Samplekunst und Multiinstrumentalität klingt es nach kleinem Sixties-Pop-Kraut-Orchestergraben unter freundlichem psychedelischem Einfluss, dazu singt Snaith im Falsett mit nerdiger Engelsstimme.

»Ich möchte die Leute an einen Ort bringen, der besser ist als der, an dem sie sich gerade aufhalten«, sagte Snaith damals. Er fand die Welt nicht scheiße, er wollte mit seiner Musik nur tiefer rein, höher hinaus; er wollte »etwas einfangen, das größer als das Leben ist«. Was man so sagt, als Künstler.

Gerade ist »Our Love« erschienen. Und im Grunde macht Snaith abermals, was er mit dem noch großartigeren »Andorra«-Nachfolger »Swim« (2010) - mit glücklichen Beats und seligen Instrumenten, herrlichen Klangverschiebungen, famos raschelnd-zischelnder Percussion und überraschenden Breaks - in Richtung After-Hour-Ganzkörperstrahlen so wundervoll zu modifizieren gewusst hatte: Er drückt die Welt an sein großes Herz. Die Frage ist: Wie reagiert die Welt - schmilzt sie wieder nur so dahin? Snaith sagt, auf »Our Love« habe er beim Komponieren vor allem an uns gedacht. Angesichts all der Umarmungspop gewordenen Liebe auf den Vorgängeralben ein überflüssiges Ansinnen. Und vielleicht sogar das falsche: Der Pop auf »Andorra« und »Swim« bezog seinen Mehrwert aus einer sympathisch spinnert anmutenden Hypersensibilität für kluges Antidesign. So etwas Seltenes wie Eigensinn im Pop entstand hier aus sehnsuchtsvoll über die Stränge schlagender Expressivität; dreidimensionale Klänge gewannen lebendige Form. »Our Love« nun, dieses »Geschenk« an den generalisierten Anderen aus dem Clubnachtleben, wie Snaith ihn sich vorstellt, wurde minutiös arrangiert, beat- und basstechnisch effektiv inszeniert; es gibt hübsche Hooklines und Melodien und mit der Single »Can’t Do Without You« eine phänomenale Housepop-Hymne, die an Hot Chip erinnert. Gleichwohl, die wundervoll schiefen Ebenen sind futsch, der komplex schillernde Soundraum wurde auf zwei Dimensionen zusammengeschrumpft. Snaith findet das gut, er steht auf die makellosen digitalen Sounds, wie man sie im R’n’B der letzten Jahre hätschelt. Schal schmeckt sie nicht, diese »neue« Liebe, aber allzu berechenbar und glatt.

Caribou: »Our Love« (City Slang)

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