Werbung

Wischtücher für den Kriegseinsatz

Bundeswehr zieht klischeebehaftete Werbekampagne zurück

  • Von Michael Fischer
  • Lesedauer: 3 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Nach den Materialpannen bei der Bundeswehr kommt nun ein PR-Problem hinzu. Es geht ausgerechnet um eines ihrer Lieblingsthemen - die Rekrutierung von Frauen für die Streitkräfte.

Das hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gerade noch gefehlt. Fast täglich werden neue Pannen und Mängel an der Ausrüstung der Bundeswehr bekannt. Und jetzt kommt auch noch eine Peinlichkeit in einem Bereich hinzu, der ihr besonders am Herzen liegt. Nach nur einem Tag wurde eine groß angekündigte Werbekampagne zur Rekrutierung von Frauen für die Bundeswehr wieder gestoppt. Auf der eigens geschaffenen Internetseite war vorher ein Fehler aufgetaucht, der wie eine Satire wirkt. Ein Bild mit »Zewa wisch & weg«-Haushaltstüchern war mit der Schlagzeile versehen: »So vielfältig wie Sie: Individuelle Karrieremöglichkeiten für Frauen bei der Bundeswehr.«

Wie die Panne genau zustande kam, blieb am Freitag unklar. Das Verteidigungsministerium vermutet einen Programmierfehler bei der Werbeagentur, die die Seite gestaltet hat. Als harmloses Versehen will man das nicht durchgehen lassen. Der Agentur wurden rechtliche Schritte wegen Rufschädigung angedroht. Wie es mit der Werbekampagne weitergehen soll, ist nun offen. Für von der Leyen ist der Abbruch bitter. Die Anhebung des Frauenanteils beim Bund ist ihr erklärtes Ziel. Wem, wenn nicht ihr als erster Oberbefehlshaberin der Bundeswehr, sollte das gelingen.

Als eine ihrer ersten Amtshandlungen hatte von der Leyen Anfang des Jahres einen Maßnahmenkatalog angekündigt, der die Bundeswehr attraktiver machen soll - auch für Frauen. Geplant ist etwa, die Kinderbetreuung auszubauen und Bundeswehrangehörigen mehr Teilzeit- und auch Heimarbeit zu ermöglichen. Derzeit liegt der Frauenteil in der Bundeswehr bei etwa zehn Prozent und damit weit unter der Zielmarke von 15 Prozent. Unter den Berufssoldaten sind sogar nur 3,4 Prozent Frauen.

14 Jahre nach der vollständigen Öffnung der Bundeswehr für Frauen gibt es zudem massive Probleme bei ihrer Integration in die Truppe. Nach einer im Januar veröffentlichen Umfrage des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr wachsen unter den Soldaten die Vorbehalte gegen ihre Kameradinnen. 56,6 Prozent meinten, Frauen veränderten die Bundeswehr zum Schlechteren. 15,6 Prozent sagten sogar, die Bundeswehr könne wegen der Frauen ihren militärischen Auftrag nicht mehr erfüllen.

Eine Werbekampagne könnte angesichts solcher Zahlen durchaus lohnend sein. »Ihr Leben ist bunt und abwechslungsreich. Ihr neuer Job ist es auch«, lautete der zentrale Slogan auf der inzwischen gesperrten Internetseite »Frauen-in-der-Bundeswehr.de«. Allerdings war die Kampagne auch unabhängig von der »Wisch und weg«-Panne umstritten. So merkte »Spiegel Online« kritisch an, die Bundeswehr fördere mit Bildern von Frauen vor Kleiderschränken und beim Anprobieren von Schuhen ein antiquiertes Frauenbild.

Als Konsequenz aus der Panne will man im Ministerium nun genauer auf die Außendarstellung der Bundeswehr achten. Künftig sollen »sämtliche werblichen Maßnahmen mit übergeordnetem Bundeswehrbezug« durch eine zentrale Einheit beim Presse- und Informationsstab des Ministeriums kontrolliert werden.

Beim kritischen Blog »Augen geradaus«, das den Skandal ins Rollen brachte, verweist man darauf, dass die Kampagne nicht mehr zu stoppen sei. Denn die »die Anzeigen in frauenaffinen Printmedien sind bereits in Auftrag und vermutlich schon gedruckt«. nd/dpa

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!