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Hambüchens Frust über die Kampfrichter

Der deutsche Turnstar verpasst beim Auftakt der Weltmeisterschaften im chinesischen Nanning das Finale am Reck

  • Von Frank Thomas, Nanning
  • Lesedauer: 4 Min.
Der Auftakt der Turn-WM in Nanning (China) war bitter für Fabian Hambüchen. Zwar zog die deutsche Riege mit Platz sechs ins Finale, doch Hambüchen konnte sich wegen eines Patzers am Reck nicht freuen.

Auch beim Frühstück am Sonntagmorgen war sein Ärger nicht verraucht. »Natürlich ist der Frust noch groß«, gestand Fabian Hambüchen nach einer unruhigen Nacht im Mannschaftshotel »Red Forest« von Nanning. »Ich bin sehr zeitig wach geworden und habe mir über einiges den Kopf zerbrochen«, gab er zu. Zum einen war er sauer über seinen Fehler am Reck, zum anderen konnte er aber auch nicht verstehen, warum ihn die Kampfrichter so hart bestraft hatten.

»Diese Note war eine kleine Frechheit«, hatte er schon unmittelbar nach der Qualifikation seinen Emotionen freien Lauf gelassen. Nach seinem Patzer beim Adler mit ganzer Drehung, den er nicht in den Handstand brachte, hatten die Kampfrichter in einer ansonsten perfekten Übung mehr als 2,6 Zähler in der Haltungsnote abgezogen. 14,366 Punkte bedeuteten nur Platz 22 an seinem Paradegerät. Bei seiner achten WM hatte er somit in Südchina erst zum dritten Mal nach 2003 und 2006 das Finale am Königsgerät verpasst. Damit erreichte erstmals seit elf Jahren kein deutscher Turner ein WM-Gerätefinale.

»Ich will nicht nach Ausreden suchen: Den Fehler habe ich gemacht. Aber ein wenig hatte ich schon gehofft, dass es trotzdem reicht. Die Bewertung war vielleicht eine Retourkutsche der Chinesen für London, wo sie bei Olympia möglicherweise etwas benachteiligt waren. Oberkampfrichter war hier schließlich ein Chinese«, beklagte der 26-jährige Wetzlarer.

»Diese Reckwertungen schienen mir etwas unverständlich«, bestätigte schließlich auch Cheftrainer Andreas Hirsch, der auch mit den Noten für die deutschen Übungen am Barren haderte. Hingegen relativierte DTB-Sportdirektor Wolfgang Willam: »Am Reck waren die Wertungen insgesamt recht niedrig. Insgesamt ging das schon in Ordnung.« Olympiasieger Epke Zonderland bedauerte des Fehlen seines Freundes Hambüchen im Finale. »Sehr schade, so jemanden muss man einfach im Finale haben. Er motiviert mich immer, alles zu geben«, reagierte der »fliegende Holländer« betroffen.

Kraft zog Hambüchen unterdessen aus der Glanzleistung des Teams mit drei WM-Neulingen, das über sich hinauswuchs und auf Platz sechs (348,643 Punkte) überraschend ins Finale einzog. »Großes Kompliment für die Truppe. Sie hat sich hier von Anbeginn stabil präsentiert«, lobte Hirsch seine Riege, die dafür sorgte, dass die Finalserie seit 2006 weiter anhält.

Seine besten Wünsche übermittelte Marcel Nguyen, für den in der Vorbereitung nach einem Kreuzbandriss das WM-Aus gekommen war. »Ich drücke dem Team beide Daumen«, sagte der Olympiazweite, der am heutigen Montag vorzeitig ein BWL-Studium in München beginnt.

Die deutschen Turner nahmen mit ihrem unerwarteten Ergebnis auch locker den ersten Schritt in Richtung Olympiaqualifikation, die bei der WM 2015 in Glasgow ausgetragen wird. Die besten 24 Teams von Nanning sind dort dabei.

»Das Abenteuer geht weiter«, frohlockte WM-Debütant Helge Liebrich (Schwäbisch Gmünd) mit Blick auf das Teamfinale am Dienstag. »Da werde ich alles reinpacken, was möglich ist«, versprach Hambüchen. »Da gibt es einen anderen Modus, alle drei Turner kommen in die Wertung. Da ist noch einiges möglich«, fügte er hinzu. Auch im Mehrkampf-Finale am Donnerstag kann Hambüchen seinen Schmerz über das verpasste Reck-Finale vergessen machen. Vor seinem Reck-Patzer hatte er im Sechskampf noch auf Platz drei gelegen, war dann aber im Endklassement mit 87,731 Punkten auf den zwölften Platz der bereinigten Liste zurückgefallen, weil er auch am Pauschenpferd absteigen musste. »Da gibt es Reserven. Ich werde mit meinem Bundesliga-Kollegen Andrej Lichowitzki und meinem Kumpel Sam Mikulak in derselben Gruppe starten. Wir wollen von hinten richtig Druck machen«, gab er als Parole aus.

Neben Hambüchen steht auch Andreas Toba (Hannover), der in der Mehrkampf-Qualifikation 22. wurde, im Mehrkampf-Finale der besten 24, wobei hier pro Land maximal nur zwei Turner vertreten sein dürfen. Als schier unschlagbar gilt allerdings der viermalige Allround-Weltmeister Kohei Uchimura (Japan), der mit 92,165 Punkten unangefochten die Qualifikation vor dem Russen David Beljawski (90,748) und dem Chinesen Deng Shudi (90,630) gewann.

Beste Mannschaft war der Titelverteidiger und Olympiasieger China, der mit 362,698 Punkten die starken Japaner (361,609) und die US-amerikanische Riege (360,393) auf die nächsten Plätze verwies. Ex-Weltmeister Russland (356,957) musste sich noch hinter Großbritannien (357,193) mit dem fünften Rang zufriedengeben. dpa/nd

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