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Der Kriminelle und der Wehrmachtsflieger

Zwei Brüder im 20. Jahrhundert: Ernst und Gustav Nonnenmacher lernten sich erst in hohem Alter kennen, der Sohn und Neffe schrieb ihre Geschichte auf

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Das Buch erzählt die Geschichte zweier Brüder. »Du hattest es besser als ich. Du hattest die Mutter«, sagt Gustav Nonnenmacher. Der bitteren Bilanz widerspricht Ernst: »Du hattest keine finanziellen Sorgen, weil man für dich gesorgt hat. Du hattest es besser als ich.« Beide, deren verschiedene Väter die Mutter wegen der Geburt im Stich ließen, lernen sich erst in höherem Alter kennen. Ihre Lebenserinnerungen und ihre späte Konfrontation miteinander hat Gustavs Sohn Frank erfragt und notiert.

Gustav, der jüngere der beiden, wächst seit seinem zweiten Lebensjahr in einer Kostfamilie, dann in einem Waisenhaus auf. Seine Mutter, die ihn aus wirtschaftlicher Not weggab, sollte er nur ein einziges Mal wiedersehen: Sie besuchte ihn kurz, auf finanzielle Hilfe hoffend, als ihr die Fürsorge zu seinem 18. Geburtstag seinen Aufenthalt mitteilte. Gustav hatte da eine Lehre als Holzbildhauer begonnen, wird 1936 als Fliegerrekrut zur Wehrmacht eingezogen, fliegt im Krieg Fallschirmspringer nach Südeuropa und Nordafrika und Verwundete zurück. Er ist kein begeisterter Anhänger der Nazis, aber auch kritische Gedanken sind bei ihm rar. Nach dem Krieg wird er freischaffender Bildhauer. In und um Worms künden heute vor allem christlich motivierte Skulpturen von seinem künstlerischen Werk. Doch auch: Im Auftrag von Hitlers »Stuka-Held« Ulrich Rudel schuf er ein »Opfermut«-Denkmal für das Immelmann-Geschwader.


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* Frank Nonnenmacher: DU hattest es besser als ICH. Verlag für Akademische Schriften. 352 S., br., 19,80 €.


Ernst sucht als Jugendlicher mit kleinen Gaunereien ein Auskommen für sich und seine Mutter. Auch er muss schließlich in ein Fürsorgeheim und mit 16 Jahren erstmals ins Gefängnis. Er lernt Korbflechter, gerät aber mehrfach erneut in den Knast. 1941 liefern ihn die Nazis zur »vorbeugenden Verbrechensbekämpfung« ins KZ Flossenbürg ein, im Jahr darauf wird er nach Sachsenhausen verlegt. Erst die Evakuierung des KZ bei Kriegsende bringt ihn nach überlebtem Todesmarsch wieder in Freiheit. Ernst engagiert sich für die KPD, bleibt dort aber fremd: Da er nicht den roten, sondern den grünen Winkel des »Berufsverbrechers« tragen musste, schlägt ihm Misstrauen entgegen. Eine Anerkennung als Nazi-Opfer bleibt ihm versagt, nicht nur in Westdeutschland. Er trifft seinen früheren Mithäftling Otto Auerswald, inzwischen Polizeipräsident in Zwickau. Dieser lässt ihn abblitzen: »Wir können es uns nicht erlauben, uns nachsagen zu lassen, dass wir uns mit Kriminellen auf eine Stufe stellen.«

Der Autor erzählt die Lebensetappen seines Vaters und seines Onkels in geschichteten Kapiteln, fügt historische Daten ein und eigene Deutungen an. Manches Detail mag dabei einer Familienchronik zustehen, die vor allem den eigenen Nachfahren ein nicht verzehrbares Erbe ist. Das trübt zuweilen die Lektüre, jedoch: Den Lesern öffnen sich faltige Biografien, die auch Stoff für eine bewegende Novelle sein könnten. Und: Das Buch weckt Fragen an die eigene Person, sollte sie je in schicksalhafte Zeiten gestellt sein.

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