Platz neun mag ich nicht

Volleyball-Bundestrainer Giovanni Guidetti fordert nach der WM: Entweder gehe ich oder ein paar Spielerinnen gehen

Nach zwei 3:0-Siegen gegen Belgien und Aserbaidshan landeten die deutschen Volleyballerinnen bei der Weltmeisterschaft auf Platz neun. Bundestrainer Giovanni Guidetti sprach nach dem Ausscheiden in der zweiten Runde mit Lars Becker über die verpasste Medaillenchance, dringend notwendige Veränderungen in der Mannschaft und ob diese auch Guidetti selbst einschließen sollten.

Waren die beiden 3:0-Siege ein letztlich doch noch versöhnliches Ende dieser für die deutschen Volleyballerinnen an sich enttäuschenden Weltmeisterschaft?
Es gibt 1000 Wege, diese WM zu lesen. Diese Mannschaft verdient großen Respekt dafür, dass sie bis zuletzt immer gekämpft hat. Das ist gut. Nicht gut ist: In Sachen Leistungsstärke sind wir wieder am gleichen Punkt angekommen. Wir werden Siebter, Sechster, Neunter, Achter, 13. - blablabla. Es ist immer das Gleiche: Wir spielen eine gute Europameisterschaft, aber dann kommen die großen internationalen Turniere wie Weltmeisterschaft oder Grand Prix. Und wir schaffen diesen Schritt nach vorn einfach nicht.

Sie haben schon im Laufe des Turniers davon gesprochen, dass diese WM nach Konsequenzen schreie. An welche denken Sie?
Ich habe während der WM mit Verbandspräsident Thomas Krohne gesprochen. Er hat mich gebeten, keine Entscheidung vor einem Gespräch mit ihm zu treffen. Also fahre ich Samstag nach München und spreche mit ihm. Ich habe auch sehr ehrlich mit der Mannschaft gesprochen. Wir müssen etwas finden. Entweder gehe ich oder ein paar Spielerinnen gehen. Es muss sich etwas ändern.

Haben Sie das Gefühl, dass die Mannschaft noch hinter Ihnen steht?
Die Spielerinnen haben nach dem letzten WM-Spiel eine Stunde lang diskutiert. Ich wollte danach keine Antwort von ihnen. Jetzt müssen der Kapitän und der Präsident entscheiden, was das Beste für den deutschen Volleyball ist. Wenn Verband und Mannschaft entscheiden, dass ein neuer Trainer her soll, dann will ich keinen Euro mehr aus meinem Vertrag. Der läuft zwar noch bis 2016, aber wenn der Verband den auflösen will, akzeptiere ich das. Natürlich würde ich gern weitermachen, mein Traum bleibt, Deutschland zu Olympia zu bringen. Aber wir sind die Nummer neun der Welt. Ich mag diese Nummer nicht, auf dem Platz kommst du nicht zu Olympia. Da gewinnst du auch keine Medaillen bei großen Turnieren.

Was müsste sich konkret ändern, wenn Sie Bundestrainer bleiben?
Ich denke noch darüber nach. Ich grübele zum Beispiel, ob ich andere Spielerinnen hätte nominieren sollen. Aber ich denke zugleich, dass es einfach keine besseren gibt. Wir arbeiten schon so viele Jahre zusammen, also muss sich etwas ändern. Es muss unbequemer in der Nationalmannschaft werden. Von den erfahrenen Spielerinnen brauche ich viel mehr Hunger auf Erfolg. Wir müssen viel besser und viel aggressiver Volleyball spielen.

Gibt es trotzdem etwas, was Ihnen bei dieser WM Hoffnung für die Zukunft des deutschen Volleyballs gemacht hat?
Ja! Das, was die jungen Spielerinnen gezeigt haben: Wiebke Silge hat die letzten beiden Spiele im Mittelblock gespielt. Sie ist gerade 18. Louisa Lippmann ist 20 und hat im Angriff ebenfalls eine gute Zukunft vor sich. Es gibt schon ein paar Leute, die dieser Mannschaft in der Zukunft helfen können.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung