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Pfeifen im Walde

Dieter Janke über den Auftragseinbruch bei der deutschen Industrie

Die aktuelle Auftragslage ist für jedes Unternehmen ein Prüfstein seiner Zukunftsaussichten. Hängt doch von ihnen das Stimmungsbild in den Führungsetagen ab. Nachdem der Ifo-Index bereits seit Monaten auf Talfahrt ist, passt der regelrechte Einbruch bei der Nachfrage nach deutschen Industrieprodukten vom August ins Bild. Einen stärkeren Rückgang gab es zuletzt im Januar 2009 auf dem Höhepunkt der jüngsten Finanzkrise.

Als Ursachen diagnostiziert das Bundeswirtschaftsministerium eine »zögerliche Wirtschaftsentwicklung im Euroraum« und eine »Verunsicherung der Wirtschaft durch die geopolitischen Ereignisse«. Man scheut sich offenkundig, von Krisenherden zu sprechen, und verbaut sich mit derart verniedlichenden Beschreibungen den Zugang zu wirksamen Gegenstrategien. So krankt der Euroraum trotz beispiellos günstiger Kreditkonditionen an einer tief sitzenden Investitionsschwäche, die die Privatwirtschaft und den staatlichen Sektor erfasst hat. Europas Süden stöhnt unter einer Rezession, und selbst Frankreich als zweitgrößte Volkswirtschaft in der EU dümpelt de facto im Leerlauf dahin. All das kann nicht spurlos an den Auftragsbüchern der exportverwöhnten deutschen Industrie vorbeigehen. Wenn angesichts dessen das Berliner Wirtschaftsressort auf »bald wieder anziehende Antriebskräfte« setzt, klingt das wie das berühmte Pfeifen im Walde.

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