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Perfekter Schutz ist schwierig

Die Infektion von Helfern mit dem Ebola-Virus erregt internationale Aufmerksamkeit - die Sicherheit von Schutzanzügen wird bezweifelt

In Europas und USA werden umfangreiche Schutzmaßnahmen vor Ebola getroffen, in Afrika fehlt es aber häufig an Material.

In Spanien ist unter dem Medizinpersonal eine Person an Ebola erkrankt, die zuvor einen Ebolapatienten gepflegt hatte. Das Robert-Koch-Institut in Berlin gibt dazu an: »Ähnlich wie in den USA lässt sich nicht ausschließen, dass einzelne weitere Fälle bei engen Kontaktpersonen der Erkrankten auftreten.« Aber in Europa gebe es wie in den USA alle Voraussetzungen zur Versorgung von Erkrankten.

Im Fall der mit Ebola infizierten Krankenschwester in Spanien erheben Mitarbeiter schwere Vorwürfe: Schutzanzüge hätten nicht den Sicherheitsstandards entsprochen, schreibt die Tageszeitung El Pais. Die Handschuhe seien lediglich mit Klebeband an den Anzügen befestigt worden und die Helfer hätten keine Atemschutzmaske getragen. Yolanda Fuentes, stellvertretende Direktorin des Carlos III. Krankenhauses in Madrid, sagt dazu: »Die Anzüge haben alle Anforderungen erfüllt«.

In den Epidemiegebieten Afrikas werden ebenfalls Schutzanzüge genutzt, deren Handschuhe und Gesichtsmasken mit dem Körperanzug verklebt werden. Dies ist der internationale Standard, so Experten des Robert-Koch-Instituts. Demnach wird bei Kontakt mit einem Ebola Erkrankten ein Schutzanzug der Kategorie III, Typ 3B mit Kapuze, Überschuhen, Handschuhen, Schutzbrille und Maske getragen. Handschuhe, Brille und Maske werden mit Klebeband fixiert.

Die persönliche Schutzausrüstung wird bei den unterschiedlichsten Gefahren verwendet - von Menschen, die in der chemischen Industrie arbeiten, von Rettungskräften, Polizei und Militär. Bei tödlichen Gefahren tritt die höchste Sicherheitsstufe in Kraft. Eine EU-Richtlinie hat 1989 für eine Angleichung der Sicherheitsvorschriften in der Europäischen Union gesorgt. Ein Schutzanzug in Spanien sollte daher genauso sicher sein wie die Schutzkleidung in Deutschland. »Für das seuchenhygienische und klinische Management in Deutschland gibt es ein Netzwerk von Kompetenz- und Behandlungszentren, die auf den Umgang mit hoch kontagiösen, lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten spezialisiert sind«, gibt das Robert Koch-Institut in Berlin an. Deutschland sei »gründlich vorbereitet.«

Zur Schutzkleidung gehören weitere Maßnahmen. Wichtig ist, dass das Personal für diese Situation perfekt ausgebildet und trainiert ist. Ein Infektionsschutz besteht nur, wenn Schutzkleidung korrekt angelegt, getragen, dekontaminiert, ausgezogen und entsorgt wird. Ein Atemschutz mit Aktivkohlefilter wird angelegt, um Ansteckung aus der Luft zu vermeiden. Sitzt alles perfekt, müssen verschiedene Schleusen passiert werden, bis man in das Patientenzimmer gelangt.

Andersherum wird es wesentlich risikoreicher. Der kontaminierte Anzug muss von einem Kollegen gründlich desinfiziert werden. Dieser befindet sich hinter einer Glasscheibe und steckt seine Arme in dort eingelassene langärmelige Handschuhe, dann kann er mit der Desinfektion beginnen. Nach einer maximalen Tragezeit von drei Stunden muss der persönliche Schutzanzug vernichtet werden.

So weit zur Situation in Europa. In Afrika, dem Hauptepidemiegebiet, sieht die Situation allerdings etwas anders aus. Gesetzlich geregelte Hygienemaßnahmen gibt es dort nicht. Ob Anzüge nach drei Stunden Tragezeit wirklich dekontaminiert und anschließend vernichtet werden, ist ungewiss, besonders angesichts des hohen Preises für die Schutzkleidung von etwa 100 Euro. Zudem herrscht in den von der Epidemie gefährdeten Gebieten Westafrikas nicht die Personaldichte wie in europäischen Kliniken. So kümmern sich in der Infektionsstation des Düsseldorfer Universitätsklinikums 15 Mitarbeiter um einen Krankheitsfall, während in Liberia, Sierra Leone und Guinea sich eine Handvoll Helfer um Hunderte Patienten kümmern müssen.

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