Architektur und Erinnerung

Galerie Wagner + Partner zeigt Linolschnitte von Claas Gutsche

Architektur ist immer auch Symbolik, Sozial- und Staatssymbolik, sie spiegelt Befindlichkeiten wider, offenbart, wie Menschen fühlten und dachten, wie zweckmäßig oder ästhetisch sie ihre Umwelt gestalteten. In der Galerie Wagner + Partner zeigt der Künstler Claas Gutsche Linolschnitte, die alte DDR-Gebäude oder Bruchstücke davon zeigen - eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.

«Martialisch» ist eine der ersten Assoziationen beim Betrachten so mancher Gebäudefassaden aus der DDR: «Hammer und Sichel, Menschen mit ausgestrecktem Arm und geballter Faust, die Friedenstaube, die Konterfeis von Marx und Lenin, und diese oft in einer Größe, die sie schon fast als Götter erscheinen lassen. Im Ganzen gesehen kommt man einfach um den Eindruck nicht herum, auf eine Kampf- und Widerstandssymbolik zu blicken, auf eine Bildsprache, die intensiv dazu aufruft, etwas völlig Neues zu erschaffen, und dies gegen den erbitterten Widerstand einer alten Welt.

Claas Gutsche, Jahrgang 1982, studierte an der Hochschule für Kunst und Design in Halle und am Royal Collage of Art in London und gehört zu den Künstlern, die sich bewusst auf die traditionsreiche Technik des Linolschnitts rückbesinnen. Gute Idee: Denn das ist mal eine alte und traditionsreiche, aber zugleich wieder ganz neue Art, durch Bildwelten zu spazieren, die eine Tür öffnen in eine ja noch sehr junge architektonische Vergangenheit, die immer auch darauf versessen war, eine politische Botschaft zu transportieren.

Beeindruckend »Die Idee«! Der Linolschnitt zeigt eine Herbst- oder Winterlandschaft, kahle Bäume, mit Schnee oder Raureif bedeckt der Boden, vor einem Baum steht ein Steingebilde, das sichtlich am Verwittern ist, darauf ein Bild von Lenin, Lenins Kopf, der voller Zuversicht und Stolz in den Himmel schaut. Ein Grabstein, aber einer mit einer klaren Botschaft. Ebenso beeindruckend »Der neue Mensch«: Zu sehen ist ein typisches Verwaltungsgebäude, auf einer Fassade ist eine riesige Friedenstaube angebracht, eine Hand greift nach ihr, aber erfasst sie nicht ganz. Eine Geste, die ja vor Symbolik strotzt.

Claas Gutsches Linolschnitte zeigen Bilder einer Architektur eines Staates, und sie zeigen sie so, dass man ein gutes Gefühl dafür bekommt, wie die Menschen Wirklichkeit verstanden haben.

Claas Gutsche - Changing Truth. Bis 25.10., Di-Sa 13-18 Uhr. Galerie Wagner + Partner, Strausberger Platz 8

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