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Flutgefährdete Wüstenschiffe

Peter Willberg gründete den ersten Schulzoo der DDR - mit dem Tierpark kamen Kamele in das Oderbruch

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Ihre Heimat ist das Oderbruch nicht. Doch Affen, Kamele und Känguru sind seit Jahrzehnten eine Attraktion in der Region - dafür sorgt ein früherer Dorfschullehrer.

Ein Känguru frisst still vor sich hin, Kamele zanken sich um einen dicken Ast, und Peter Wilberg kommt mit dem Rad um die Ecke: Vor 30 Jahren hat der Pädagoge den Schulzoo Altreetz im Oderbruch nahe der polnischen Grenze gegründet - den ersten Schulzoo überhaupt in der DDR. Warum macht ein Dorfschullehrer sowas? »Weil ich ein bisschen verrückt bin«, sagt Wilberg, lacht und taucht ab in die Erinnerung.

Vom Studium kam er als junger Mann vor 60 Jahren nach Altreetz (Märkisch-Oderland), das Land brauchte neue Lehrer. Als die Schule nach dem Babyboom zu klein wurde, engagierte sich Wilberg für den Bau einer neuen. Die Mangelwirtschaft der DDR umschiffte er mit Kreativität, sorgte auch gleich für eine neue Turnhalle. Danach musste wieder eine Aufgabe her. »Das war nach der Bauerei der Zoo«, sagt der jetzt 77-Jährige, der von Stillstand nichts hält.

Als Biologielehrer unterrichtete Wilberg auch das Fach Schulgarten. »Damit fing die ganze Sache an.« Die Schule erhielt ein Stück Land für den Unterricht. Die Kinder fanden Spaß daran und wünschten sich für ihren Schulgarten auch Tiere. »Wir bauten einen Kaninchenstall, eine Voliere, dann kam das erste Pony«, sagt Wilberg über den Anfang.

Als die Zahl der Haustiere stieg, wandte sich der Lehrer an Heinrich Dathe, den Direktor des Tierparks Berlin. »Er fand das völlig bekloppt, dass so ein kleiner Lehrer so einen kleinen Zoo aufbaut.« Dathe half trotzdem, unterrichtete den Biologen Wilberg in Verhaltensforschung und schickte Tiere ins Bruch. Im Wendejahr 1989 hatte der Zoo mehr als 100 Tiere. Doch die Besucher blieben aus. »Alle fuhren nach Westberlin«, sagt Wilberg und schaut ernst durch seine große Brille. Der Zoo überlebte dennoch und ist seit 1992 in privater Hand.

Der Enthusiast suchte Sponsoren und lernte, EU-Mittel einzuwerben. »Ich kann doch die Kamele nicht in die Wüste schicken, wenn der Geldhahn zugedreht wird.« Wilberg ist einer, der voraus denkt. Eine Galerie entstand, ein behindertengerechtes Feriendorf sowie ein 3500 Quadratmeter großer Spielplatz

Mit Stirnrunzeln denkt Wilberg an die Jahrhundertflut der Oder 1997. Ob die Deiche halten, war ungewiss. Der Zoo musste evakuiert werden. »Keiner wusste, wie das geht. Es war furchtbar.« Nach einem Tag Verwirrung führte Wilberg ein militärisch strenges Regime ein. »Das hat funktioniert.« Die Tiere wurden an verschiedenen Orten untergestellt, bis sie wieder zurück konnten.

Über Fünf-Jahres-Verträge erhält der Oderbruchzoo Unterstützung vom Landkreis Märkisch-Oderland. Futter liefert eine Agrargenossenschaft. Auch viele Firmen unterstützen die Einrichtung regelmäßig. Geld kommt auch über Einnahmen, darunter von Berliner Reisegruppen, denen neben den etwa 200 Tieren auch Kaffee mit Kuchen und ein Vortrag geboten werden. »Viele kommen dann mit ihren Enkelkindern wieder«, hat der Chef beobachtet.

Im vergangenen Jahr wurden im Feriendorf rund 800 Übernachtungen gezählt. Die Gäste kommen vor allem aus sozialen Einrichtungen. »Der Oderbruchzoo ist längst mehr als nur ein Tierpark auf dem Lande«, sagt Landrat Gernot Schmidt (SPD). Peter Wilberg sei es gelungen, rund um den Zoo zahlreiche weitere Attraktionen anzubieten, wie den Spielplatz und die barrierefreien Ferienbungalows.

Der Deutsche Tierschutzbund lehnt die Haltung von Tieren in zoologischen Einrichtungen nicht generell ab. »Es muss allerdings gewährleistet sein, dass die Tiere frei von Schmerz, Leiden und Schaden gehalten werden können«, sagt Sprecher Marius Tünte. Die künstlich geschaffenen Lebensräume müssten hinsichtlich Größe, Klima und Struktur entsprechend gestaltet sein.

Wilberg betont, ein Zoo ohne Genehmigung sei nicht mehr machbar. »Jedes Gehege muss vom Veterinäramt genehmigt sein. Grundlage ist die Tierschutzverordnung«, erläutert er. Dem Oderbruchzoo lägen alle notwendigen Genehmigungen vor. Zuständige Stellen kämen regelmäßig zur Kontrolle.

Die viele Arbeit schafft der Direktor nicht allein. Acht Kollegen unterstützten ihn, sagt er. Ans Aufhören denkt der 77-Jährige noch lange nicht, hat aber die Nachfolge schon geregelt. Seine Tochter will sie übernehmen. dpa

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