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Bei der Gesundheit sollte Solidarität keine Grenzen haben

Trotz aller Beschränkungen sind Tausende Mediziner in mehr als 30 Ländern im Einsatz - auch in Westafrika gegen Ebola

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Die Abgeordnete Dr. María Caridad Rubio Hernández (49) ist Vorsitzende der Kommission für Gesundheit und Sport des Kubanischen Parlaments. Mit der Medizinerin sprach für »nd« Andreas Knobloch über die Folgen der US-Blockade auf das kubanische Gesundheitssystem sowie das Engagement von kubanischen Ärzten im Ausland.

Welche Auswirkungen hat die Blockade der Vereinigten Staaten auf den kubanischen Gesundheitssektor?
Der Gesundheitsversorgung wird in Kuba von Staats wegen Priorität eingeräumt, die Kennzahlen in dem Bereich sprechen für sich. Auf der anderen Seite ist der Gesundheitssektor einer der am stärksten von der durch die USA gegen Kuba verhängten Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade betroffenen Bereiche. Das betrifft alle Ebenen der Gesundheitsversorgung.

Wie sieht das im Einzelnen aus?
Zum einen sind da die nicht erzielten Einnahmen, weil beispielsweise Ausländer, die in unserem Land behandelt werden könnten, dies unterlassen. Technisches Equipment fehlt, oder sie werden durch die Propaganda der USA abgeschreckt. Darüber hinaus bleiben Einnahmen durch mögliche Studiengebühren ausländischer Studenten - etwa durch US-Studierende - aus.

Auf der anderen Seite haben wir eine technologische Blockade. Denn die Blockade legt fest, dass keine in den USA hergestellten medizinischen Geräte oder Gerätschaften mit in den USA hergestellten Komponenten nach Kuba ausgeführt werden dürfen. Kuba muss dieses Equipment also in Drittstaaten erwerben. Das treibt die Beschaffungskosten in die Höhe und verzögert nicht selten die Anschaffung. Zudem führt dies zu Problemen bei der Besorgung von Ersatzteilen oder der Instandhaltung der medizinischen Anlagen und in der Konsequenz zu Problemen, unserer Bevölkerung, die nötigen medizinischen Dienste rechtzeitig anzubieten.

Können Sie Beispiele nennen?
Konkret betrifft dies Anschaffungen von Diagnose- und Behandlungsgeräten, die in den USA hergestellt werden, also vor unserer Haustür, die wir aber in Drittstaaten erwerben müssen. Das verlängert die Lieferzeiten und macht die Waren teurer. Ein anderes Beispiel sind Gerätschaften für die Behandlung von Krebs. Auch dort fehlen uns Ressourcen, um ein Programm zur aktiven Untersuchung von Brustkrebs vorzunehmen.

Wie ist die Herstellung von Medikamenten betroffen?
Wir unterliegen Einschränkungen bei der Erforschung und Herstellung von Medikamenten. Bestimmte Komponenten oder Stoffe können nicht eingeführt werden, wenn sie in den USA patentiert sind. Auch auf dem Gebiet der Forschung und im Patentwesen werden Finanzmittel benötigt, die blockiert werden, ebenso Lieferungen für Labors. Auch die medizinische Genetik sieht sich Beeinträchtigungen ausgesetzt. Wichtige Forschungen auf diesem Gebiet können aufgrund der Blockade nicht vorangetrieben werden.

Können Sie die Schäden beziffern?
Der Gesundheitssektor hat seit Verhängung der Blockade Schäden von geschätzt 2464,6 Millionen US-Dollar erlitten. Aber das Leid und mögliche Tote in diesem Land, die durch das Fehlen bestimmter Medikamente oder medizinischer Geräte während der Behandlung hervorgerufen worden sind, lassen sich nicht in Zahlen ausdrücken.

Derzeit wird weltweit Kubas Einsatz gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika gewürdigt. Selbst US-Außenminister John Kerry hat sich lobend geäußert
Kubas Engagement gegen Ebola ist ein Beispiel für die Würde, den Mut und die Menschlichkeit unseres Volkes. Wir leiden unter einer Blockade, trotzdem sind derzeit Tausende kubanische Mediziner in mehr als 30 Ländern im Einsatz. Wir bilden Medizinstudenten aus aller Welt an unseren Universitäten aus. Wir wissen, dass ein großer Teil der US-amerikanischen Bevölkerung gegen die Blockade ist und für eine Aufhebung eintritt.

Denn auch die US-Amerikaner werden durch die Blockade beeinträchtigt - direkt und indirekt. Sie dürfen keine freien Beziehungen zu Kuba pflegen, ihre Produkte hier nicht verkaufen, nicht nach Kuba reisen, nicht durch kubanische Ärzte behandelt werden und nicht in Kuba Medizin studieren. All dies sind Einschränkungen, die die US-Regierung gegenüber ihrer eigenen Bevölkerung verhängt.

Sowohl Fidel als auch Raúl Castro haben den USA angeboten, beim Kampf gegen Ebola zusammenzuarbeiten. Könnte dies ein erster Schritt der Annäherung sein?
Ein erster Schritt im Bereich Medizin in jedem Fall. Die Solidarität sollte im Bereich Gesundheit keine Grenzen haben. Kuba ist bereit, sich in den USA zu engagieren, wenn Hilfe benötigt wird. Zum Beispiel Blut spenden für die US-amerikanische Bevölkerung. Und das trotz der US-Blockade.

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