Auf der Suche nach Konkurrenz

Beim FC Bayern sorgt man sich vorm Topspiel gegen den BVB um genügend starke Gegner

  • Von Maik Rosner, München
  • Lesedauer: 3 Min.
Sogar beim FC Bayern sorgt Dortmunds Situation vorm vermeintlichen Topspiel für Nachdenklichkeit - der Meister fahndet bereits nach einem anderen geschäftsfördernden Gegengewicht.

Am Freitag durften sie sich beim FC Bayern wieder einmal gegenseitig beglückwünschen. David Alaba war am Vorabend zum zweiten Mal in Folge als Österreichs Sportler des Jahres ausgezeichnet worden, und vor der Verabredung mit Borussia Dortmund an diesem Sonnabend in der Bundesliga konnte der 22-Jährige nun die Gratulationen der Kollegen in Empfang nehmen.

Seine persönliche und erfolgreiche Titelverteidigung fügt sich ins Bild der Bundesliga, die gefühlt mittlerweile nur noch aus 17 Mannschaften besteht. Angeblich spielt der FC Bayern zwar noch mit, in Wahrheit schwebt der deutsche Branchenführer aber längst in seiner ganz eigenen Sphäre, außer Reichweite der Konkurrenz. Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke findet sogar, dass die Münchner von Trainer Pep Guardiola »momentan das Maß aller Dinge in Europa« sind.

Beim Publikum macht sich längst eine gewisse Langeweile breit. Selbst das vermeintliche Topspiel gegen den BVB steht nicht mehr für packendes Kräftemessen, wenngleich manche Beobachter teils scherzhaft meinen, der FC Bayern sei für die kriselnde Borussia nun der passende Aufbaugegner. Nach neun Spieltagen liegen Jürgen Klopps Dortmunder ja bereits 14 Punkte hinter dem Tabellenführer. Der zuletzt zuverlässige erste nationale Gegenspieler ist vorläufig abgehängt.

Das sorgt sogar in München für Nachdenklichkeit. Vom jüngsten Freigang von Uli Hoeneß samt Treff mit dem Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, Ehrenpräsident Franz Beckenbauer und Schalke-Chef Clemens Tönnies wurde via »Sport Bild« eine Mahnung des Ex-Präsidenten kolportiert. »Überlegt euch das gut. Wollt ihr denn schon Weihnachten Meister werden?«, soll Hoeneß gesagt haben. Es ging angeblich um einen sich anbahnenden Wechsel von Dortmunds Nationalspieler Marco Reus nach München im Sommer.

Die aktuelle Situation in der Liga beschäftigt auch die aktuellen Macher beim FC Bayern. »Diese Konkurrenzsituation ist für den deutschen Fußball grundsätzlich fruchtbar und gut. Ich hoffe, dass das auch in der Zukunft der Fall sein wird«, sagte Rummenigge, wohl wissend, dass Dortmund in dieser Saison kein Titelkonkurrent mehr ist.

Die Fahndung nach Ersatz hat schon vor Monaten begonnen. »Wir brauchen neben Bayern und Dortmund auch ein starkes Wolfsburg, sowie Schalke, Leverkusen und Gladbach. Je mehr da oben mitspielen, umso emotionaler und besser ist es für die Liga«, hatte Rummenigge damals gesagt. Weil die halbe Wunschliste bereits nach einem Viertel des Spieljahres gestrichen werden musste, äußerte er zuletzt auch die Hoffnung, dass RB Leipzig auf Sicht »zum Konkurrenten für Bayern wird«. Und Kapitän Philipp Lahm erhob Mönchengladbach nach dem jüngsten 0:0 zum denkbaren Dauerrivalen, ebenfalls wohl nicht ohne Kalkül. Den Meistertitel möchten die Münchner zwar immer gewinnen, aber bitte nicht konkurrenzlos.

Ein bisschen paradox mutet das Unbehagen über die eigene Übermacht schon an. Mario Götze und ein Jahr danach Robert Lewandowski haben die Münchner vom BVB abgeworben, diesen so erheblich und womöglich auch gezielt geschwächt. Nun sind die Dinge bei Reus offenbar schon recht weit gediehen. Gleichzeitig treibt die Bayern die Sorge um, sich selbst um eine attraktive Geschäftsgrundlage zu bringen. Und wenn schon nicht Dortmund, dann wünschen sie sich doch, dass die Liga nicht aufgibt bei dem Versuch, die Bayern zumindest scheinbar herauszufordern.

Viel über das mittelfristig absehbare Machtgefüge im deutschen Fußball erzählte auch eine der zahlreichen Aussagen Rummenigges zum Thema Reus, mit denen er die Dortmunder so zuverlässig düpierte wie die Mannschaft die Gegner. Er sagte zum bevorstehenden Transfer, nachdem er die Ausstiegsklausel von rund 25 Millionen Euro im Vertrag des Nationalspielers bereits ausgeplaudert hatte: »Wir werden das in aller Ruhe diskutieren und dann eine Entscheidung treffen.« Wir entscheiden - das gilt auch dafür, wer ihnen wie lange als Konkurrent angenehm ist. David Alaba hat gute Aussichten, in Österreich weiterhin so zuverlässig wie sein Verein zu Ehren zu kommen.

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