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Künstlerinnen und Künstler planen, am 8. November in einem »Akt politischer Schönheit« die EU-Außengrenze abzureißen

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Um unsere traditionell für Monumentales, Sentimentalität, Größenwahnsinn und Pathos empfänglichen Jubelstaatsbürger mal wieder emotional zu überwältigen und ihnen zu gegebener Zeit knüppeldicke Tränen der Rührung über die Wangen zu treiben, hat man für den 9. November, den »Schicksalstag der Deutschen«, vorsichtshalber schon mal ein ganzes Arsenal an Propaganda und grellem Tamtam aufgefahren. Schließlich soll am kommenden Wochenende bei den staatsoffiziellen Gedenkfeierlichkeiten keiner ausscheren. So wird es etwa eine »zwölf Kilometer lange Licht-Installation entlang des ehemaligen Mauerverlaufs« geben, besser gesagt: eine »Lichtgrenze« aus »tausenden beleuchteten und mit Helium gefüllten Luftballons«, mit der man weithin sichtbar für »eine Welt ohne Mauern« werben will. »Bei gutem Wetter wird die Licht-Installation sogar vom Weltraum aus zu sehen sein«, triumphiert das Hauptstadtreklameportal »Berlin.de«. Schließlich soll die frohe Botschaft im ganzen Universum hinausposaunt werden: Deutschland ist frei. Gleichzeitig droht die Bundesregierung mit einem »Bürgerfest« am Brandenburger Tor, bei dem die üblichen »Zeitzeugen« und Kunstgewerbler auf der Bühne abgestellt werden (Udo Lindenberg, Silly, Freya Klier, Wolf Biermann etc.), damit sie dort, ganz wie es das Protokoll vorsieht, Demokratie, Reisefreiheit und Menschenrechte bejubeln.

An der Außengrenze zu Europa hingegen, an der seit Jahren viele Menschen zu Tode kommen, weil sie sich des schweren Verbrechens der Wahrnehmung ihrer Reisefreiheit schuldig machen, ist indessen von der Bundesregierung derzeit keine Licht- und Luftballon-Installation entlang des gegenwärtigen Grenzverlaufs geplant, um dergestalt weithin sichtbar für eine Welt ohne Mauern zu werben. Zumindest hat man bislang von einem solchen Vorhaben nichts gehört. Vielmehr errichtet man derzeit dort neue, moderne Grenzsicherungsanlagen. Was damit zu tun haben könnte, dass es sich bei jenen, die 1989 Grenzzäune überwanden, um unsere jahrzehntelang von Diktatur und Elend gebeutelten Brüder und Schwestern handelt und bei den anderen, die gegenwärtig Grenzzäune überwinden, um jahrzehntelang von Diktatur und Elend gebeutelte Ausländer und Asylschmarotzer. Da muss man genau unterscheiden, sonst wird das nichts mit der Demokratie.

Das »Zentrum für politische Schönheit«, eine Gruppe von Aktionskünstlern, pfeift nun auf diese Unterscheidung: Am Montag kündigten sie aus Anlass des bevorstehenden 25. Jahrestags des Mauerfalls an, die »illegalen EU-Außengrenzen abzubauen«, ein »Akt politischer Schönheit«, zu dessen Finanzierung man einen Spendenaufruf im Internet veröffentlicht hat. »Bei Erreichen des Spendenziels« wollen die Künstler tätig werden. In der Ankündigung heißt es: »Während sich Politiker aller Parteien am 9. November in den Armen liegen und das Ende der mörderischen innerdeutschen Mauer feiern, haben sie die viel mörderischeren Außenmauern Europas finanziert.« Ein Vierteljahrhundert nach dem Fall der Berliner Mauer soll die europäische Außengrenze mit Bolzenschneidern bearbeitet werden. 10 819 Euro würden an Spenden benötigt, um am 7. November einen Bus voll künftiger Mauerhelden (»inkl. Unterkunft und Verpflegung«) als »Vorhut einer zweiten Friedlichen Revolution an die europäische Außenmauer« zu entsenden. Sie können auch selbst Mauerheld werden! »Jede und jeder kann mitfahren« und »sich am Abriss der europäischen Außengrenzen beteiligen und ein Stück Außenzaun mitnehmen.« Ob Wolf Biermann und Udo Lindenberg mitfahren werden?

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