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UFO plant neue Gewerkschaft

Flugbegleitergewerkschaft startet Initiative für Vertretung aller Luftverkehrsbeschäftigten. Ein Gespräch

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Die Gewerkschaft des Kabinenpersonals im Luftverkehr, UFO, will eine »Industriegewerkschaft Luftverkehr« (IGL) für alle Berufsgruppen gründen. Was verbirgt sich hinter der Idee?
Wir wollen den Diskussionen, dass sich die Berufsgewerkschaften an den Schlüsselpositionen das größte Stück vom Kuchen sichern, etwas entgegensetzen. Diese Ansicht ist nicht erst seit dem Arbeitskampf der Piloten der Vereinigung Cockpit (VC) verbreitet und auch nicht seit dem Gesetzentwurf zur Tarifeinheit. Doch diese Argumente sind zum Teil einfach falsch.

Was ist denn richtig?
Die branchenübergreifenden Großgewerkschaften haben den Ausgliederungen und Betriebszerstückelungen der Arbeitgeberseite nichts entgegenzusetzen. Das haben fast nur die Spartengewerkschaften hingekriegt. Wir beobachten im Luftverkehr, wie diese Entwicklung besonders bei den Bodenbetrieben der Lufthansa furchtbare Ausmaße annimmt. Und ver.di hat dagegen kein probates Mittel.

Warum ist das so?
Ver.di hat in ihrer Struktur teilweise nicht die Expertise, weil sie nicht nahe genug dran ist. Außerdem hat die meiner Meinung nach schwache Politik der letzten Jahre in den hart umkämpften Branchen dazu geführt, dass viele Mitglieder verloren gegangen sind. Die Dienstleistungsgewerkschaft hat in der Lufthansa insgesamt noch einen Organisationsgrad von unter zehn Prozent.

Ist diese Entwicklung auch der Situation der Luftfahrtbranche geschuldet? Die Konkurrenz ist hart.
Sicher ist die Luftfahrt in Teilen in einer schwierigen Situation, aber es geht Lufthansa nicht so schlecht, dass ein Arbeitsplatz, der jetzt 2000 Euro brutto wert ist, ausgelagert werden muss, damit er nur noch 1400 brutto wert ist.

Und die IGL soll die Lösung für dieses Problem sein?
Es haben sich beispielsweise am Boden Initiativen wie die Agil, die Arbeitnehmergewerkschaft im Luftverkehr, gegründet, die aber von der Arbeitgeberseite erfolgreich so klein gehalten werden, dass sie nicht tariffähig sind. Das kann so nicht weitergehen. Deshalb wollen wir mit der IGL eine Struktur schaffen, in der gemeinsam Tarifverhandlungen geführt werden - unter größtmöglicher Eigenständigkeit der einzelnen Partner.

Ist die Initiative auch eine Erwiderung auf das geplante Tarifeinheitsgesetz?
Der Gesetzentwurf sieht vor, dass nur die Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern im Betrieb Tarifverhandlungen führen können soll. Da wir bei Lufthansa die größte Gewerkschaft sind, stehen wir nicht im Verdacht, dass es uns mit dieser Initiative nur um den Selbsterhalt geht. Das heißt, die Arbeitgeber können uns auch schlecht verhindern, wenn sie die Gründung dieser Industriegewerkschaft verhindern. Dann haben sie immer noch die UFO als Mehrheitsgewerkschaft.

Die Vereinigung Cockpit hat sich gleich ablehnend Ihren Plänen gegenüber geäußert ...
Wir haben mit der VC-Spitze gesprochen. Sie schätzen die Situation nicht wesentlich anders ein als wir. Aber sie wollen jetzt den Weg vors Bundesverfassungsgericht gehen, um das Tarifeinheitsgesetz zu stoppen. Außerdem hat die VC eine viel längere Tradition und ein stärkeres Alleinstellungsmerkmal in ihren Tarifverträgen als alle anderen. Deshalb betonen wir, dass wir nicht die Eigenständigkeit anderer Gewerkschaften angreifen wollen. Es geht darum, eine Organisation für alle Beschäftigten in der Luftfahrt zu schaffen.

Und dann sind alle Berufsgruppen unter dem Dach, die IGL muss sich mit den unterschiedlichen Ansprüchen auseinandersetzen, den Sachzwängen; was unterscheidet das dann noch von ver.di, die Sie ja kritisieren?
Einen Automatismus, dass dies besser läuft, kann ich seriös nicht versprechen. Die Gefahr, dass das Thema Verteilungsspielräume irgendwann immer mehr Platz einnimmt, gibt es aber auch bisher. Doch wir kennen die Gefahren und werden versuchen, die Eigenständigkeiten möglichst klar zu erhalten. Bisher allerdings müssen beispielsweise UFO und VC zusehen, dass die Außenstationen am Boden geschlossen werden und können dem nichts entgegensetzen.

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