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Kommunen im Osten verweigern Theater-Stellungnahme bis Ende 2014

Volkstheater Rostock: Demo für Erhalt von vier Sparten / Linkspartei: Oberbürgermeister und Kultusminister betreiben »Wahnsinn«

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Rostock. Die Theater-Städte im Osten Mecklenburg-Vorpommerns fordern mehr Zeit und neue Lösungsansätze bei der Theater- und Orchesterreform. Das geht aus einer gemeinsamen Erklärung der Stadtpräsidien von Stralsund, Greifswald, Neustrelitz und Neubrandenburg hervor, wie Neubrandenburgs Präsidentin Irina Parlow (Linke) am Mittwoch sagte. Die bis Jahresende geforderte Stellungnahme sei nicht machbar. Das Regierungsvorhaben, westlich und östlich der Autobahn 19 adäquate Theater- und Orchesterstrukturen zu schaffen, sei durch Vereinbarungen in Schwerin und Rostock schon gescheitert. Im Theater Vorpommern mit Spielstätten in Stralsund, Greifswald und Putbus gibt es zudem Überlegungen für ein eigenständiges Theater, die am Donnerstag vorgestellt werden sollen.

Mit der Norddeutschen Philharmonie Rostock neben der Mecklenburgischen Staatskapelle in Schwerin sei die Orchesterstruktur im Osten ganz gefährdet, meinte Parlow. Kommunen und Theater erwarteten von der Landesregierung nicht starres Beharren auf überholten Zielen, sondern eine Diskussion, die diesen Namen verdiene. So sehe man Theater-Kooperationen positiv, wenn sie vielfältigere Angebote für Gäste und den Häusern finanzielle Vorteile brächten. Solche Vorhaben würden vom Land aber nicht gefördert.

Die Landesregierung gibt Kommunen jährlich 35,8 Millionen Euro zur Theaterfinanzierung und strebt bis Ende 2014 klare Regelungen an. Im Landesosten sollen das Theater Vorpommern Stralsund/Greifswald mit der Theater- und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz kooperieren. Ein Gutachten sieht den Abbau von rund 100 Stellen vor, wobei Stralsund die Oper, Greifswald Schauspiel und Ballett und Neubrandenburg ein reduziertes Konzertorchester behalten soll. Das Theater Neustrelitz würde nur noch Produktionsstandort für Musical und Operette werden.

Auch die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) lehnt die geplante Fusion der Orchester aus Stralsund und Neubrandenburg ab. Es mache keinen Sinn, zwei Orchester über eine Distanz von 100 Kilometern zu fusionieren und zu verkleinern, um sie dann wieder an ihren alten Standorten auftreten zu lassen, erklärte DOV-Geschäftsführer Gerald Mertens. Beide Orchester sollten im Kern erhalten bleiben und wechselseitige Kooperation ausgebaut werden. Dies könnte die DOV in maßgeschneiderten Haustarifverträgen einräumen.

Der Intendant des Theaters Vorpommern, Dirk Löschner, will an diesem Donnerstag in Stralsund ein Papier vorstellen, das Szenarien für ein eigenständiges Theater nach Auslaufen des Haustarifvertrages Ende 2016 beschreibt. Die Untersuchung basiere auf solidem Zahlenmaterial und soll den Bürgerschaftsfraktionen zur Verfügung gestellt werden.

Volkstheater Rostock: Demo für Erhalt von vier Sparten

Auf dem Neuen Markt in Rostock werden am Mittwoch (14.00 Uhr) mehrere Hundert Menschen erwartet, die für den Erhalt der vier Sparten beim Volkstheater Rostock demonstrieren wollen. Bereits von 10 Uhr an soll ein stiller Protest auf dem Platz abgehalten werden. Hintergrund ist die mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern abgeschlossene und heftig umstrittene Zielvereinbarung über die finanzielle Zukunft des Theaters.

Wegen der Deckelung der Zuweisungen von Land und Stadt könnten nach Ansicht von Kritikern am Ende so massive Umstrukturierungen stehen, dass das Theater auf die Sparten Schauspiel und Orchester reduziert wird. Die Sparten Musiktheater und Tanz könnten in einem mehrere Jahre dauernden Prozess wegfallen.

Die Demonstration ist auf eine Privatinitiative des Rostocker Musikers und Kulturunternehmers Johann-Gerd Pätzold zurückzuführen, das Volkstheater selbst ist an der Planung und Gestaltung nicht beteiligt. Pätzold wendet sich strikt gegen die Einordnung eines Theaters nach Kriterien der Wirtschaftlichkeit. Das werde einer Kulturstätte dieser Größe nicht gerecht. Es gebe kaum ein Theater, das ohne öffentliche Zuschüsse auskomme. Er befürchtet, dass nach einer Schließung der beiden Sparten das Theater erst recht unwirtschaftlich arbeiten würde. Dann drohe binnen weniger Jahre die komplette Schließung: »Es geht also um die komplette Theaterrettung.«

Das Volkstheater sei ein Forum, Treffpunkt und Bildungsträger, es müsse als Teil der vielbeschworenen Daseinsvorsorge gefördert werden. Es sei der falsche Weg, das über Jahrhunderte gewachsene kulturelle Gut des Theaters leichtfertig haushaltspolitischen Entscheidungen zum Opfer zu machen. Die Demonstration wird vom AStA der Uni Rostock und von der Linkspartei unterstützt.

Die nannte die Schließungspläne bereits vor einigen Tagen »Wahnsinn«. Rostock wachse »und ist bereits jetzt das wirtschaftliche und touristische Zentrum Mecklenburg-Vorpommerns. Wenn es also eine Stadt gibt, die ein Anrecht auf ein gesundes 4-Sparten-Theater hat, dann ist es Rostock.« Die Politik des Oberbürgermeisters und des Landeskulturministers sei »kulturlos, kurzsichtig und wider aller Vernunft«. Man wolle »alle 4 Sparten erhalten und treten ein für alle Kulturliebenden und Kulturschaffenden in Rostock«. nd/Mit Agentur dpa

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