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Der gelbe Klotz

München hat ein Bunkerproblem

  • Von René Heilig, München
  • Lesedauer: 3 Min.
In der bayerischen Landeshauptstadt stehen noch Bunker aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Über ihre Nutzung gibt es unterschiedliche Vorstellungen.

Für gewöhnlich bekommen Stadtbauräte eine Straße zuerkannt. Doch eine Karl-Meitinger-Straße sucht man in München laut Stadtplan vergebens. Dabei hat der Mann, der das Konzept zum Wiederaufbau der bayerischen Landeshauptstadt nach dem Zweiten Weltkrieg entworfen hat, zuvor schon sehr Bleibendes hinterlassen. Ab 1940 entstanden unter seiner Leitung 40 Hoch- und acht Tiefbunker in der Stadt. Einige stehen noch immer, gerade so, als wären sie wirklich für ein Tausendjähriges Reich gebaut worden. Glück für die Nachgeborenen - die Betonkolosse, die den Einwohnern Schutz vor westalliierten Luftangriffen boten, sollten sich ins Gesamtensemble von Hitlers »Stadt der Bewegung« einpassen. Man sieht ihnen also ihre grundsätzliche Hässlichkeit nicht an.

Das trifft auch auf den Hochbunker in der Blumen- Ecke Corneliusstraße zu. Das gelbe Ding mit einer kettenbewehrten Treppenempore, die jedem Gutshaus Ehre machen würde, hat einen quadratischen 14 mal 14 Meter Grundriss und ist sechs Stockwerke hoch. Die Außenmauern messen 1,30 Meter Dicke, unter dem rotbraunen ziegelgedeckten Zeltdach ist eine Zwei-Meter-Decke verborgen. 1200 Menschen haben zeitgleich in den Bombennächten des Zweiten Weltkrieges darin gezittert. Noch immer gehört der Bau zu den aktiven Schutzbauten. 750 Menschen kann man - so das Konzept aus jüngerer Zeit - bis zu maximal 48 Stunden in ihm unterbringen. Doch warum sollte man das tun? Deutschland ist inzwischen sogar den Kalten Krieg los - schon ein Vierteljahrhundert.

Das Problem? Man kann den fensterlosen Klotz nicht einfach schleifen. Nicht nur, weil das teuer wird. Er steht unter Denkmalschutz. Was nichts an seiner sonstigen Nutzlosigkeit ändert. Geht es nach dem Willen der CSU-Stadtratsfraktion sollte man im Bunker künftig eine Luftkriegs-Dokumentation unterbringen. Zwar kann man sich auch im Stadtmuseum darüber informieren, doch in so einem Bunker lasse sich das Leiden vergangener Generationen viel eindrucksvoller darstellen, meinen die CSUler, die einen entsprechenden Antrag im Stadtrat gestellt haben. Was spricht dagegen? Die Antwort auf diese Frage ist mit dem Wort Geld beschrieben. Schon weil man - wie originell für ein Schutzwerk - bei der musealen Nutzung einen zweiten Fluchtweg einbauen müsste.

Grüne und Leute von der Rosa Liste in München wollen dagegen ein anderes Konzept verwirklichen. In Bunkernähe soll in einem bislang leerstehenden städtischen Gebäude ein Integrationshaus für Flüchtlinge entstehen. Nun soll der Bunker einbezogen werden. Als multikultureller Begegnungsort für alle, die in der Gegend wohnen. Ob das gelingt, ist unsicher, denn der Betonklotz strahlt nicht gerade das Gefühl von Transparenz aus.

Was man mit solchen Bauwerken des heißen und des Kalten Krieges noch so anfangen kann, zeigte jüngst ein Münchner Investor. Er hat den »LS-Sonderbau Nr. 5« an der Ungererstraße zu Wohnungen umgebaut. Allerdings: 22 Euro pro Quadratmeter im günstigsten Fall ist auch im boomenden München nicht gerade ein Sozialwohnungsschnäppchen. Doch so ein Bunkerproblem haben auch andere, vor allem westdeutsche Städte. In manchen werden aus den Bunkern Kultur- und Eventzentren, andere Kommunen hoffen, dass die Natur sich kümmert.

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