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Der Neue am Steuer

SPD-Landesparteitag verabschiedet Klaus Wowereit und begrüßt Michael Müller

Reibungsloser Stabwechsel zwischen Berlins Regierungschef Klaus Wowereit und seinem Nachfolger Michael Müller. Mit seiner Antrittsrede tritt Müller aus Wowereits Schatten.

Nichts geringeres als das Ende einer Ära beging die Berliner SPD am Samstag im berliner congress centrum (bcc) am Alexanderplatz. So oft und so andauernd wie an diesem Tag jubelte die Basis der Sozialdemokraten wohl schon lange nicht mehr ihrem Spitzenpersonal zu. Klaus Wowereit, noch Berlins Regierender Bürgermeister, verabschiedete sich aus dem Roten Rathaus und aus der Politik. Nach den Abschiedsworten von Landeschef Jan Stöß und während des minutenlangen Applauses blinzelte der Oberste Regierende die Tränen weg, so ernstlich bewegt hat man Wowereit lange nicht gesehen.

Der Neue im Roten Rathaus könnte sich kaum mehr von seinem Vorgänger unterscheiden. Michael Müller begann seine Rede verhalten und mit todernstem Gesichtsausdruck. Kein Lächeln, kein Scherz. Doch dann redete sich der 49-Jährige in einer thematisch klaren und sehr angriffslustigen Rede frei, immer selbstbewusster und fordernder. Der langjährige Weggefährte Wowereits ist sich seiner Defizite und der Unterschiede durchaus bewusst. »Klaus zu kopieren geht ohnehin nicht. Ich habe meinen eigenen Stil und will meinen eigenen Weg gehen.« Wowereit selbst griff auch den ewigen Vorwurf an Müller auf, er sei zu unscheinbar: »Habt ihr vergessen, dass genau dieser Glamourfaktor mir immer rechts und links um die Ohren gehauen wurde?«

Nach über 30 Jahren gemeinsamen politischen Weges, an die er in seinen Dankesworten an Wowereit erinnerte, will Müller endlich aus dem Schatten des Ziehvaters treten. Dabei verwies er erneut seine einstigen Konkurrenten - SPD-Chef Jan Stöß und SPD-Fraktionschef Raed Saleh - in die Schranken, ohne sie beim Namen zu nennen. Er verlangte Geschlossenheit und volle Unterstützung von allen in der SPD. »Lasst uns doch bitte diese ausgeprägte Kritikkompetenz auch nutzen, wenn wir uns mit dem politischen Gegner auseinander setzen.« Für nörgelnde Stimmen trotz des »erfolgreichen Mitgliederentscheids« habe er keine Zeit und keinen Nerv. »Wer glaubt, jetzt noch Sand ins Getriebe streuen zu müssen, bitte. Bitte, macht's, ab in die Buddelkiste«, sagte Müller mit gestrecktem Zeigefinger in den Saal. Riesenbeifall. »Ich werde jeden Tag hart dafür arbeiten, dass wir Erfolg über 2016 hinaus haben.« Tagesordnungspunkt sechs, die Nominierung Müllers, war denn nur noch reine Formsache. Einstimmig wurde Müller als Kandidat der Berliner SPD für das Amt des Regierenden Bürgermeisters nominiert und bekam, Achtung Metapher, ein SPD-rotes Steuerkreuz mit Berliner Bär vorne drauf überreicht.

Versteckt wie offen wurde am Samstag der Koalitionspartner CDU kritisiert. Betreffend die Versorgung von Flüchtlingen gelte es deutlich zu machen, dass Berlin sozialdemokratisch regiert wird, so Müller. Nicht nur hier wird Müller sich in den kommenden zwei Jahren beweisen müssen. So ernst und seriös wie er sich gibt, und womit er seine Genossen überzeugte, so hartnäckig wird er gegenüber dem Koalitionspartner seine Ziele verteidigen und durchsetzen müssen.

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