TTIP kostet Jobs

US-Studie warnt vor Folgen des Freihandelsabkommens

TTIP-Kritik ohne Chlorhühnchen: US-Wissenschaftler sagen Einkommens-, Steuer- und Jobverluste in ganz Europa durch den geplanten Vertrag voraus.

Berlin. Politiker und Wirtschaftslenker versuchen seit Monaten, den EU-Bürgern das geplante Freihandelsabkommen mit den USA (TTIP) schmackhaft zu machen. Arbeitsplätze schaffe es und für mehr Wohlstand sorge es auch, so die Befürworter. Kritiker sehen das ganz anders - und bekommen nun wissenschaftliche Unterstützung für ihre Skepsis. Laut einer aktuellen Studie der Tufts University in Massachusetts würde TTIP in Europa rund 600 000 Jobs kosten. In den beiden größten europäischen Volkswirtschaften, Deutschland und Frankreich, könnten 134 000 beziehungsweise 130 000 Stellen verloren gehen.

Zudem drohten massive Einkommensverluste. Frankreich hätte demnach mit minus 5500 Euro pro Arbeiter und Jahr die härtesten Einschnitte zu verkraften, gefolgt von Großbritannien (minus 4800 Euro). In Deutschland betrüge der jährliche Verlust 3400 Euro pro Arbeitnehmer. Auch Steuereinnahmen und Bruttoinlandsprodukte schrumpften demnach erheblich. Die Wissenschaftler prognostizieren außerdem eine höhere finanzielle Instabilität und eine Zunahme ökonomischer Ungleichgewichte, sollte TTIP in Kraft treten.

»Die Studie belegt, dass TTIP nicht nur ein Angriff auf soziale Standards, Arbeitsrechte, Umweltschutz, nachhaltige Landwirtschaft und Demokratie ist. Die Mehrheit der Menschen würde mit TTIP zugleich einen Verlust an Wohlstand hinnehmen müssen«, warnte Roland Süß vom globalisierungskritischen Netzwerk Attac.

Die Studie basiert auf Modellen, die die UNO verwendet. Die bisherigen, von der EU-Kommission in Auftrag gegebenen, Studien, die ein Wachstum von 0,05 Prozent pro Jahr errechnet hatten, haben laut Attac unrealistische Annahmen als Berechnungsgrundlage, die aus den 1980er und 1990er Jahren stammten. Sie gingen davon aus, dass Wirtschaftssektoren, die von einer Marktöffnung profitierten, entstandene Verluste in anderen Sektoren kompensierten. Die gleiche Annahme gelte für Arbeitsplätze - Voraussetzung dafür seien allerdings dauerhaft niedrige Löhne, so die EU-Studien.

Die Tufts-Wissenschaftler kommen allerdings zu dem Schluss, dass im aktuellen Kontext der Sparmaßnahmen, hoher Arbeitslosigkeit und niedrigem Wachstum ein weiterer Druck auf die Arbeitseinkommen der Wirtschaft schade. Europa müsse stattdessen politische Maßnahmen zur Unterstützung der Einkommen ergreifen, heißt es. Die Erhöhung des Handelsvolumens dagegen sei keine nachhaltige Wachstumsstrategie. nd

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