Aufsteiger Ponta kurz vor dem Gipfel

Der Premier spaltet die Massen, ist aber Favorit bei der Stichwahl um das rumänische Präsidentenamt

  • Von Thomas Roser, Timisoara
  • Lesedauer: 3 Min.
Der sozialdemokratische Premier Victor Ponta geht am Sonntag als klarer Favorit in die Stichwahl um Rumäniens Präsidentschaft. Doch an dem Machtpolitiker scheiden sich im Karpatenstaat die Geister.

Der Kandidat mobilisiert auch in Abwesenheit die Massen. »Nieder mit Ponta«, skandieren die 2000 Demonstranten in der westrumänischen Großstadt Timisoara. Vor dem Opernhaus rufen die Gegner von Rumäniens Premier Victor Ponta ihren Unmut über den Chef der Sozialdemokratische Partei (PSD) in den lauen Novemberabend laut hinaus: »Ponta, vergiss nicht, Timisoara will dich nicht!« Am Sonntag will Ponta die Präsidentschaftswahl gewinnen.

Die Demokratie sei in Gefahr, erklärt der bärtige Marius sein Kommen. Mehr als sechs Stunden hätten seine Freunde in Stuttgart bei der ersten Runde von Rumäniens Präsidentschaftswahl vor dem dortigen Konsulat ausgeharrt: »Dann wurde ihnen gesagt, dass sie heimgehen sollten, da sie nicht mehr abstimmen könnten: Vielen Auslandsrumänen wurde ihr Wahlrecht schlicht verwehrt.« Seine größte Sorge bei einer Wahl von Ponta zum Staatschef sei jedoch »die totale Kontrolle der Macht«: »Ponta und seine Freunde könnten dann in Rumänien tun und lassen, was sie wollen.«

Als klarer Favorit und mit knapp zehn Prozent Vorsprung geht der 42-jährige Regierungschef am Sonntag in die Stichwahl um Rumäniens Präsidentschaft. Seinem Rivalen Klaus Iohannis, Vorsitzender der Nationalliberalen Partei und Siebenbürger Sachse, werden allenfalls Außenseiterchancen eingeräumt.

Doch obwohl Ponta die meisten Medien und den Staatsapparat hinter sich weiß, ist das Rennen für den machtbewussten Aufsteiger gegen den 13 Jahre älteren Bürgermeister von Sibiu (Hermannstadt) noch keineswegs gelaufen. Nicht nur wegen unzähliger Korruptionsskandale in seiner PSD scheiden sich an Ponta die Geister.

Nach seinem Jurastudium war der in Bukarest geborene Ponta einige Jahre Staatsanwalt am Obersten Gerichtshof Rumäniens. 2001 wurde er als Staatssekretär in die Regierung von Adrian Nastase berufen: Der später wegen Korruption zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilte Sozialist sollte zum politischen Ziehvater des eloquenten Senkrechtstarters werden. 2002 trat Ponta in die PSD ein, um sofort die Führung von deren Jugendverband zu übernehmen. 2010 putschte sich der Strippenzieher nach einer Kampfabstimmung an den Parteivorsitz. Im Mai 2012 übernahm Ponta schließlich das Regierungsruder. Seitdem diktiert er das Geschehen.

»Ponta hat in der Stichwahl sicher die besten Chancen«, sagt der Analyst Cristian Pirvulescu. »Iohannis hat bisher neben seiner Heimat Siebenbürgen die Großstädte hinter sich.« Auf dem Land aber habe Ponta seine Machtbasis durch über 300 zu den Regierungsparteien übergelaufene Bürgermeister gestärkt. Doch nicht nur der Skandal um das Wahlchaos in den Auslandsvertretungen, sondern auch der Machtkampf der Provinzfürsten seiner Partei seien für Ponta Unsicherheitsfaktoren: »Es sind schon früher PSD-Präsidentschaftskandidaten in der Stichwahl an der mangelnden Unterstützung der eigenen Parteifunktionäre gescheitert.«

Wie vor 25 Jahren flattern in Rumäniens Stadt der Bewegung die Landesflaggen mit dem klaffenden Loch: Als 1989 in Timisoara die blutige Revolte gegen den Staatschef Nicolae Ceausescu begann, schnitten die Demonstranten damals das sozialistische Emblem aus Rumäniens Trikolore. Sie sei damals zu klein gewesen, um sich an die Geschehnisse erinnern zu können, »aber die Eltern haben immer davon erzählt«, sagt die 27-jährige Elena. »Und ich bin stolz, dass wir nun wieder auf die Straße gehen, um für unsere Überzeugungen einzustehen. Denn wir haben Angst, dass unsere Stimmen verloren gehen.«

Er wolle ein geeintes und starkes Rumänien, versichert der sich betont patriotisch gebende Premier: »Herr Johannis ist ein Ding. Ich bin Rumäne.« Die meisten der ausgeschiedenen Kandidaten haben sich auf die Seite des Favoriten geschlagen.

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