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Wie Luther King sich selbst töten sollte

Historikerin fand unzensierte »Suizid-Aufforderung« des FBI an den US-amerikanischen Bürgerrechtler

  • Von Reiner Oschmann
  • Lesedauer: 3 Min.

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Einige Jahre bevor er 1968 ermordet wurde, versuchte das FBI, die bundespolizeiliche Ermittlungsbehörde des US-Justizministeriums, Martin Luther King in den Selbstmord zu mobben.

Der Tatbestand selbst ist lange bekannt und gehört zu den dunklen Kapiteln dieser vielfach als Geheimdienst agierenden US-Behörde, die wie kaum eine andere Organisation von einer Person geprägt wurde - J. Edgar Hoover, der das »Bureau« von 1924 bis 1972 leitete. Neu und erst jetzt bekannt geworden ist die unzensierte Version des Selbstmordschreibens des FBI, das Dr. King drängte, seinem Leben ein Ende zu setzen. Nach Angaben des britischen »Independent« wurde es von der Historikerin Beverly Gage von der Yale University im US-Nationalarchiv in Verbindung mit Recherchen zu einem Buch über Hoover entdeckt und inzwischen im »New York Times Magazine« veröffentlicht. Der anonyme Drohbrief vermittelt den Eindruck, von einem enttäuschten Mitkämpfer Kings verfasst worden zu sein, war tatsächlich aber von einem Stellvertreter Hoovers formuliert worden. Das Schreiben benutzte auf einem Höhepunkt der Auseinandersetzungen um gleiche Bürgerrechte für Afroamerikaner in den USA eine außereheliche Affäre Kings, um ihn - wenige Wochen vor seiner Ehrung mit dem Friedensnobelpreis 1964 - zum Suizid zu drängen.

In dem Brief wird Pastor King als »bösartiges, abnormes Tier« beschimpft. Obgleich die Existenz des »suicide letter« seit längerem bekannt ist, gab es bisher nur stark zensierte Fassungen. Über die Diffamierungstaktik des FBI schrieb Historikerin Beverly Gage: »Der größte bislang nicht bekannte Abschnitt konzentriert sich auf Kings Sexleben und beschreibt drastisch, was das FBI zu wissen vorgab.« Übersät mit absichtlich eingebauten Druckfehlern gipfelt das Erpresserschreiben an King in der Aufforderung: »Für Sie gibt es nur einen Ausweg. Den schlagen Sie besser selbst ein, ehe Ihr abscheuliches, abnormes und betrügerisches Wesen vor der Nation ausgebreitet wird.«

Bereits zu Lebzeiten hatten King und Weggefährten das FBI als Quelle in Verdacht, eine Annahme, die Jahre darauf vom Church-Ausschuss des US-Senats zur Untersuchung exzessiver Geheimdienstaktivitäten bestätigt wurde. Die Zersetzungsversuche des FBI gegen Martin Luther King fügten sich in ein großflächiges Überwachungsprogramm, das Hoover in den 1950er Jahren aufgebaut hatte. Anfangs darauf gerichtet, Mitglieder der KP der USA aufzuspüren und zu diskreditieren, beinhaltete »Cointelpro« später das massive Ausspionieren der Friedens-, Bürgerrechts- und Black-Power-Bewegung insgesamt. »Es ging nicht nur darum, Amerikaner auszuspähen, die Absicht von Cointelpro war, Leben zu zerstören und Rufmord zu betreiben«, sagt Loch Johnson, Professor für nationale und internationale Angelegenheiten an der University von Georgia.

Im September 2013 stießen Wissenschaftler an der George Washington University in der Bundeshauptstadt in nunmehr freigegebenen historischen Dokumenten darauf, dass auch der Geheimdienst NSA, im Rahmen seiner Operation »Minaret«, die Auslandstelefonate zahlreicher Personen des öffentlichen Lebens überwacht hatte. Zu ihnen gehörten der schwarze Boxweltmeister und Vietnamkriegsgegner Muhammad Ali (alias Cassius Clay) und eben Dr. King. Seine Ermordung im Alter von 39 am 4. April 1968 in Memphis (Tennessee) hat bis heute Gerüchte über einen Regierungsanteil am Tod nicht zweifelsfrei ausräumen können.

Rosa - Dietz-Verlag

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Das Blättchen Heft 20/18