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Immer das Unmögliche denken

Der künftige BKA-Chef Holger Münch will seinen neuen Arbeitgeber für digitale Herausforderungen fit machen

  • Von Alice Bachmann, Bremen
  • Lesedauer: 3 Min.
Holger Münch wird in Kürze das Bundeskriminalamt (BKA) leiten. Gegenüber einer Handvoll Journalisten gab der Chefkriminalist aus Bremen Auskunft über mögliche künftige Aufgaben.

Eigentlich ist Münch noch acht Tage lang Bremens Innenstaatsrat, obwohl er schon die Ernennungsurkunde zum BKA-Chef in der Tasche hat. Doch bereits jetzt vollzieht sich eine Zeitenwende im Leben des Mannes, der sich als leidenschaftlicher Bremer und Schutzmann bezeichnet, seinen Privatwohnsitz aber im niedersächsischen Speckgürtel hat.

Münch, geboren 1961, spricht bei seinem Abschied aus Bremen bescheiden, fast schon demütig über seinen Werdegang und die auf ihn wartende Aufgabe. Aber, was er sagt, klingt nach klar umrissenen Plänen, und nach einem Mann, der gewohnt ist, seine Vorhaben mit Ausdauer und Geduld umzusetzen. Wobei in Münchs Rückschau auf die Bremer Zeit deutlich wird, dass er hier gelernt hat, dicke Bretter zu bohren. Will heißen, wenn er einen Konsens aller Beteiligten anstrebt, dann wird solange daran gearbeitet, bis das erwünschte Ergebnis erreicht ist. Dieses Vorgehen will er nun auf die weitaus größere Aufgabe übertragen - und nicht nur Lokalpolitik und -verwaltung von seinen Ideen überzeugen, sondern das gesamte Bundeskriminalamt und alle anderen, die mitzureden haben.

Münch guckt eine Woche vor Dienstantritt bereits über den Tellerrand der deutschen Behörde. Die organisierte, internationale und die Cyber-Kriminalität, dazu den internationalen Terrorismus mit nach Deutschland zurückkehrenden Islamisten nennt er als größte Herausforderungen - und damit als seine Arbeitsschwerpunkte als BKA-Chef. Diese zerlegt er in einzelne Arbeitsschritte. Dazu zählt zum Beispiel die Diskussion über die Organisationsstrukturen der Polizeien. Hier sieht der Bremer die Überwindung von föderalen Grenzen als wichtiges Ziel. Auch die Strukturen seines neuen Arbeitgebers will er »sich ansehen«.

Münch denkt im Grunde schon jetzt in größeren Dimensionen. Er habe in Bremen gelernt, in kleinen, aber komplexen Strukturen gemeinsame Lösungen zu finden, sagt er und zeigt sich zuversichtlich, mit dieser Fähigkeit auch in großen Zusammenhängen erfolgreich sein zu können. Wobei »groß« hier nicht nur die Bundesrepublik und die Europäische Union meint, sondern ebenfalls die digitale Welt. Versagensängste kennt Münch nicht. Schließlich habe er sich als Innenstaatsrat anfangs auch ab und an »die Nase gestoßen«, was ihn schlauer und engagierter gemacht habe.

Als entscheidend für eine erfolgreiche Arbeit des BKA sieht dessen Chef in spe die Ausstattung der Behörde im digitalen Bereich an. Eine erhebliche Modernisierung und Aufstockung allein der vorhandenen Geräte und Anlagen, aber auch mehr Know-how stehen oben auf seiner Dringlichkeitsliste. »Die Polizeien haben echte Probleme, der Dynamik moderner Kriminalität zu folgen«, gibt Münch unumwunden zu.

Zum NSU-Skandal will er sich zunächst nicht äußern. Dann aber gibt er doch eine Einschätzung: Es sei für seinen Vorgänger außerhalb des Vorstellbaren gewesen, dass es eine Terrortruppe wie den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) überhaupt geben könne. Er selbst habe aber schon während der Ausbildung gelernt, dass Kriminalbeamte immer auch das Unmögliche denken und in ihre Untersuchungen einbeziehen müssen, fügt Münch hinzu.

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