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Schnelligkeit ist Trumpf

Namibia baut seinen größten Hafen aus / Naturschützer warnen vor massiven Umweltschäden

Er ist bereits der wichtigste Hafen des Landes; demnächst soll Walvis Bay Harbour in Namibia zu den bedeutendsten Frachthäfen des Kontinents zählen. Namibia will so seinen Status als Transitland festigen.

Der Ausbau des Hafens ist überfällig, meint Liz Sibindi, Sprecherin der staatlichen namibischen Betreibergesellschaft Namport. Schon 2011 sei der Walvis Bay Harbour mit einem Umschlag von 220 000 Standardcontainern (TEU) aus allen Nähten geplatzt, inzwischen habe man es mit über 300 000 pro Jahr zu tun. Deshalb baut Namport Namibias bedeutendsten Seehafen für Containerumschlag, Autohandel und Kohleverschiffung aus. Auf 3,2 Hektar soll bis 2018 ein neues Terminal entstehen. Mit einer Kapazität von über einer Million TEU wird der Hafen dann zu den größten Afrikas gehören. Das Projekt umfasst auch ein 2800 Hektar großes Industriegebiet mit Kohlelagern, Fabriken und Logistikzentren. Der Autoimport etwa wachse exponentiell, sagt Sibindi. »Noch vor wenigen Jahren kamen etwa 200 Autos pro Monat in Walvis Bay an. Heute sind es etwa 1500.«

Dank seiner guten Verkehrsanbindungen zu Botswana, Sambia und Simbabwe gilt Walvis Bay als ideales Sprungbrett für das südliche Afrika. Mit dem Trans-Kalahari- und dem Trans-Caprivi-Highway starten zwei interkontinentale Überlandstraßen in Walvis Bay und verbinden Zentralafrika und den Indischen Ozean mit dem Atlantik. Und mit dem im März von Namibia und Botswana beschlossenen Trans-Kalahari-Railway-Project entsteht eine Bahnverbindung, die Walvis Bay mit den riesigen Kohlevorkommen in Botswana sowie der südafrikanischen Industrieregion Gauteng verbinden soll. Namports Rechnung ist einfach: Wer Reedereien und Logistikern den schnellsten Zugang zu diesem entscheidenden Markt bietet, macht das Rennen.

Bislang hatten die südafrikanischen Häfen die Nase vorn. Besonders Durban war dank seiner Lage am Indischen Ozean und der Nähe zu den Metropolen Johannesburg und Pretoria bevorzugte Anlaufstelle. Sowohl Schiffe auf der asiatischen Route als auch europäische Frachter, die sich für die Passage durch den Suezkanal entschieden, nutzten Durban. Doch die Route ist wegen erhöhter Gebühren für den Suezkanal sowie der Pirateriegefahr in Verruf geraten.

Walvis Bay Harbour profitiert von seiner Lage an der Westküste. Denn mit der für 2019 geplanten Fertigstellung der Bahnverbindung erreichen Güter Gauteng bis zu elf Tage schneller als über Durban und eine knappe Woche schneller als über Kapstadt. Bei den dicht getakteten Zeitplänen der Reedereien ein kaum zu überbietender Trumpf.

Und Walvis Bay habe weitere Vorteile, so Sibindi. Die namibischen Behörden etwa gälten als weniger korrupt als die angolanischen und kongolesischen, behauptet sie. Zudem erlaube das Klima das ganze Jahr einen reibungslosen Warenumschlag.

Doch es gibt Kritiker der Ausbaupläne. Zu ihnen gehört Rob Braby. Er ist Direktor der Umweltschutzorganisation Nacoma. »Die Bucht von Walvis Bay ist ein äußerst sensibles Ökosystem«, erklärt er. »Das Hafengebiet grenzt an einen besonders geschützten Teil der Bucht, der wegen seiner Bedeutung für Zugvögel zur RAMSAR-Schutzzone erklärt wurde. Außerdem leben in der Bucht Delfine, die ebenfalls unter Schutz stehen. Und die Vertiefung der Fahrrinne von heute neun auf vierzehn Meter wird ebenfalls Spuren hinterlassen.« Eigentlich, so Braby, hätten die Behörden sie von Anfang an in die Planungen einbeziehen müssen, so will es das Gesetz. Doch bisher sei weder an Nacoma, noch an andere Naturschutzorganisationen jemand herangetreten.

Wenn der Ausbau 2017 vollendet sein sollte, wird er insgesamt 3,9 Milliarden Namibische Dollar verschlungen haben (270 Millionen Euro), zu hundert Prozent finanziert von der Afrikanischen Entwicklungsbank. Doch ob der avisierte Termin vom chinesischen Konsortium China Harbour Engineering Company eingehalten werden kann, bleibt abzuwarten.

Immerhin befürwortet die namibische Bau- und Minengewerkschaft Manwu den Ausbau. Schließlich haben die Chinesen zugesagt, zu mindestens einem Drittel namibische Arbeitskräfte einzustellen, was dem gesetzlichen Minimum für ausländische Investoren entspricht. Momentan arbeiten 100 namibische und 200 chinesische Arbeiter im Hafen.

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