Gewonnen - und dennoch verloren

Schwere Krawalle überschatten den 3:1-Sieg von Dresden in Rostock

  • Von Jörg Soldwisch, Rostock
  • Lesedauer: 3 Min.

Es waren Ausschreitungen mit Ansage: 13 verletzte Polizisten, über 30 Strafanzeigen, 13 Minuten Spielunterbrechung. Trotz des Großaufgebots der Polizei mit etwa 1700 Beamten konnten die befürchteten Randale der verfeindeten Fangruppen beim brisanten Drittligaduell zwischen dem F.C. Hansa Rostock und Dynamo Dresden (1:3) nicht verhindert werden. »Drei Punkte geholt und doch verloren« - so lautete das treffende Fazit in der Pressemitteilung von Dynamo Dresden nach dem Spiel.

Durch die massiven Ausschreitungen gab es auf beiden Seiten nur Verlierer. Dynamo-Fans zündeten im Gästeblock Pyrotechnik und feuerten diese in Richtung der gegnerischen Fans und aufs Spielfeld. Rostocker Anhänger setzten Mülltonen in Brand, zerstachen die Autoreifen von Fahrzeugen der Gästefans und attackierten mit Steinwürfen auch eine Polizeidienststelle. Von 67 Hooligans wurden die Identitäten festgestellt, es wurden Ermittlungen unter anderem wegen Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz aufgenommen. 13 Beamte wurden bei dem Einsatz verletzt.

Durch den massiven Polizeieinsatz konnte ein Aufeinandertreffen der Fanlager und damit wohl noch Schlimmeres verhindert werden. Dennoch droht beiden Vereinen, die beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) als Wiederholungstäter gelten, eine harte Strafe.

»Personen, die auf andere Menschen mit Steinen werfen und somit Verletzungen und Schlimmeres billigend in Kauf nehmen, haben in der Hansa-Familie keinen Platz. Diese Personen sind ein klarer Fall für die Strafverfolgung«, sagte Rainer Friedrich, Vorstand für Stadionmanagement und Prävention in Rostock. Die gleiche Forderung kam von Dynamo Dresdens Geschäftsführer Robert Schäfer, der wegen des gezielten Abfeuerns von Leuchtspurmunition auf gegnerische Fans fassungslos war: »Die Personen, die dafür verantwortlich sind, haben Dynamo Dresden wieder einmal einen Bärendienst erwiesen.«

Wegen des Fehlverhaltens einiger Dynamo-Anhänger musste die Begegnung in der zweiten Halbzeit für 13 Minuten unterbrochen werden. Dass Dresden durch den Sieg als Fünfter den Anschluss an die Aufstiegsplätze geschafft hat und Hansa Rostock als Vorletzter auf einen Abstiegsplatz abgerutscht ist - all das trat angesichts der Randale in den Hintergrund. »Es ist schlimm, dass nach einem solchen Derby wieder kaum über das Sportliche gesprochen wird«, sagte Rainer Milkoreit, Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV). »Eigentlich verlief die Saison bislang relativ ruhig, aber das war wieder ein extremer Auswuchs, wie wir ihn nicht sehen wollen.«

Die Macht- und auch Hilflosigkeit der Vereine und der Polizei wurde dadurch verdeutlicht, dass es Ausschreitungen mit Ansage waren. Im Vorfeld des Derbys zwischen den beiden früheren DDR-Oberligisten wurden in Rostock rund 80 Häuser mit Graffiti beschmiert. Die Parolen der Sprayer lauteten unter anderem »29.11. Sachsen jagen« oder »Sachsen raus«. Auch, dass beide Vereine im Vorfeld jeweils in einem offenen Brief zu einem »fairen Traditionsduell« aufgerufen hatten, half nichts. Die Klubs stießen damit bei ihren Problemfans auf taube Ohren. Wie leider schon so oft in der Vergangenheit. SID/nd

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