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Deine Soße geschehe...

Christen verärgert durch Hinweisschilder auf die Nudelmesse einer Spaßreligion

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 4 Min.

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Wo die Kirchen in Templin Gottesdienste ankündigen, dürfen Anhänger des Spaghettimonsters nicht auf ihre Nudelmesse hinweisen. Die Straßenmeisterei hat die Schilder erst genehmigt, dann abgehängt.

Sie machen Spaß - und Pfarrer Ralf-Günther Schein nimmt die Pastafari, die das Fliegende Spaghettimonster anbeten, auch nicht ernst. Trotzdem sind die drei Hinweisschilder auf die Nudelmessen der Pastafari an den Ortseingängen von Templin verschwunden. Sie hingen fünf Tage lang unter den Schildern, mit denen die Kirchen die sonntägliche katholische Messe sowie die evangelischen und freikirchlichen Gottesdienste ankündigen. Am Montagabend hat die Straßenmeisterei die umstrittenen neuen Schilder entfernt. Das bestätigte die Behörde am Dienstag.

Pfarrer Schein versichert, er stecke nicht dahinter. Auslöser der Demontage ist er höchstens insofern, als er über den Pastafari-Prediger Rüdiger Weida gesagt hatte, wenn dieser die Schilder einfach an die von der Kirche bezahlten Maste schraubte, dann könnte die Kirche diese Schilder eigentlich auch einfach wieder abschrauben. Tatsächlich hätte er dies aber niemals getan, beteuerte der Theologe.

Bürgermeister Detlev Tabbert (LINKE) wäscht seine Hände ebenfalls in Unschuld. Der Landesbetrieb Straßenwesen habe die Schilder zunächst genehmigt, dann jedoch in »blindem Aktionismus« abgenommen und eingelagert. Weida habe daraufhin Anzeige wegen Diebstahls erstattet. Die Stadt habe mit der ganzen Sache nichts zu tun, betont Tabbert. Der Bürgermeister hatte bloß geäußert, den Hinweis auf die Nudelmesse direkt unter die Bekanntmachung der Gottesdienste zu platzieren, zeige »mangelndes Fingerspitzengefühl«. Da hätte 100 Meter davor oder dahinter jeweils ein eigener Mast aufgestellt werden sollen. Tabbert, der selbst nicht religiös ist, kann verstehen, wenn Christen bei der gewählten Vorgehensweise eine Verunglimpfung ihres Glaubens sehen und sauer sind. »Templin ist eine tolerante Stadt«, sagt der Bürgermeister.

Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters entstand in den USA als Reaktion auf den dort grassierenden christlichen Fundamentalismus. Die sogenannten Kreationisten nehmen die Bibel dort wortgenau und verlangen, die Schöpfungsgeschichte des Alten Testaments als wissenschaftliche Wahrheit zu betrachten und im Biologieunterricht zu vermitteln. Religiöse Fanatiker hetzen in Amerika gegen gesicherte Erkenntnisse über die Entstehung der Erde und des Menschen. Angeblich ist die Erde demnach nicht 4,5 Milliarden Jahre alt, sondern nur etwa 6000 Jahre. Auf ein derart abstruses Ergebnis kommen die Kreationisten, indem sie den Stammbaum von Adam und Eva über den angeblich 969 Jahre alt gewordenen Methusalem bis zu Jesus betrachten und stur zusammenrechnen.

Als Antwort darauf entwickelte der selbsterklärte Prophet Bobby Henderson das Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters. Die Behauptung, dass dieses Monster als der wirkliche Schöpfer des Universums anzusehen sei, ist freilich albern - doch nach Ansicht von Hendersons Jüngern auch nicht aberwitziger als die Ansichten der Kreationisten. Wenn die Schöpfungsgeschichte tatsächlich im Biologieunterricht behandelt werde, dann müsse auch das Fliegende Spaghettimonster drankommen, wird verlangt.

Statt des christlichen Gebets »Vater unser« gibt es bei den Pastafari ein »Monster unser«, das da lautet: »Monster unser, dass du bist im Himmel, geheiligt werden deine Anhängsel, deine Piraten kommen, deine Soße geschehe. Wie im Himmel, so auch auf hoher See. Unser täglich Pasta gib uns heute und vergib uns unsere Reiskugeln, wie auch wir vergeben den Kartoffelessern. Und führe uns nicht nach Kansas, sondern erlöse uns von den Fundamentalisten, denn dein ist die Soße und der Käse und die Fleischklößchen in Ewigkeit.« Statt Brot und Wein gibt es beim Abendmahl zur Anbetung des Spaghettimonsters Nudeln und Bier.

Rüdiger Weida alias Bruder Spaghettus begeisterte sich im Jahr 2006 für diese Spaßreligion. Immer freitags um 10 Uhr werden auf seinem Grundstück in Templin Nudelmessen gefeiert. Denn die Sonntagsarbeit sei ja gerade - auch auf Initiative der Protestanten - vom Bundesverfassungsgericht streng beschränkt worden, bemerkt Weida.

Das hat er nicht verstanden, denn für die »armen Pfarrer«, die auf dem platten Lande manchmal bis zu 13 Gemeinden betreuen müssen, sei doch Sonntagsarbeit wegen der Gottesdienste »absolut normal«. Arme Pfarrer wegen der Arbeitsbelastung, denn sie verdienen in Brandenburg im Schnitt 5503 Euro im Monat und in der Spitze sogar 7808 Euro, wie Weida offenlegt.

Pfarrer Schein nerven die öffentlichkeitswirksamen Attacken der Spaghettibrüder, über die jetzt sogar der britische Sender BBC berichtete. Vereinzelt gebe es auch in Deutschland kreationistische Wirrköpfe, räumt er ein. »Doch in der sandhaltigen Frömmigkeit Brandenburgs gibt es das nicht.« Die Evolutionstheorie und die Schöpfungsgeschichte seien für die evangelische Kirche kein Widerspruch, wie auch für Charles Darwin nicht. Aber eine sachliche Diskussion über Kritik an den Kirchen sei mit der Spaghettisekte offenbar nicht möglich, hat der Pfarrer festgestellt. Sein Schäfchen verstehen einfach nicht, was das alles soll, weiß Schein, der die von ihm als Antireligion eingeordnete Gruppierung einmal in einer Predigt erwähnte. »Ich hoffe, die lassen uns jetzt in Frieden.«

Persönlich nimmt der Theologe, die Sache nicht bierernst. Den Pastafaris empfiehlt er, die Hinweisschilder doch besser an einem italienischen Restaurant anzubringen, wo sie hingehörten. Außerdem will er ihnen für ihr Geläut noch Dreiglockennudeln vorbeibringen und so überprüfen, ob Weida wirklich so viel Humor besitzt, wie es scheint.

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