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Saatgutvielfalt in Gefahr

Wie in Mosambik internationale Initiativen und neue Gesetze das Menschenrecht auf Nahrung bedrohen

  • Von Christine Wiid, INKOTA
  • Lesedauer: 2 Min.

Silvina Nchichurini aus dem Dorf Naputa im Distrikt Ancuabe baut auf ihrem Acker vor allem Mais und Hirse an - und das schon seit Jahrzehnten. Das Saatgut haben die Dorfbewohner größtenteils selbst produziert. Doch damit könnte es bald vorbei sein: In Mosambik werden Gesetze auf den Weg gebracht, die mit dem freien Austausch und Nachbau von Saatgut Schluss machen sollen. Und auch internationale Initiativen - wie die 2012 ins Leben gerufene Neue Allianz für Ernährungssicherung der G7/G8-Staaten - sind mitschuldig. Die Neue Allianz verspricht, Millionen von Menschen in Subsahara-Afrika aus der Armut zu befreien. Sie wird dabei nicht nur politisch von reichen Ländern dominiert, sondern auch wirtschaftlich, beispielsweise von nordamerikanischen und europäischen Konzernen aus dem Agrar- und Ernährungsbereich wie dem Saatgutriesen Monsanto, dem Düngemittelproduzenten Yara oder dem Chemiekonzern Bayer. In ihrem Strategiepapier für Mosambik formuliert die Neue Allianz als Ziel, die Verteilung von frei verfügbarem und nicht verbessertem Saatgut zu beenden und Eigentumsrechte an Saatgut umzusetzen, um Privatinvestitionen in die Saatgutproduktion zu fördern.

All das zeigt: Das Recht auf Nahrung ist ein fundamentales Menschenrecht, auf das sich Staaten in vielen Konventionen verpflichtet haben - trotzdem klaffen auch in Mosambik Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander.

Doch was bedeutet das für Kleinbäuerinnen wie Silvina Nchichurini? Die 52-Jährige kooperiert seit zwei Jahren zusammen mit den anderen Dorfbewohnern aus Naputa mit der INKOTA-Partnerorganisation KULIMA. Im letzten Jahr wurde ein Getreidespeicher gebaut und die landwirtschaftlichen Berater von KULIMA haben Silvina Nchichurini darin geschult, wie sie ihr Saatgut sicher und trocken lagern kann, damit sie im nächsten Jahr ihren Acker wieder bestellen kann.

Bisher werden in Mosambik mehr als 70 Prozent des Saatguts von den Kleinbauern selbst produziert, der freie Austausch von Saatgut spielt für sie eine existenzielle Rolle. KULIMA schult die Bauern in der Selektion und Produktion von eigenem Saatgut, das an die lokalen Bedingungen angepasst ist. Wird die Produktion von eigenem Saatgut gesetzlich eingeschränkt, sind die Kleinbauern gezwungen, teures Saatgut bei regi- strierten Saatguthändlern zu kaufen und geraten so in die Abhängigkeit von Konzernen. Zudem konzentrieren sich große Saatgutunternehmen meist auf die Entwicklung einiger weniger Hochertragssorten, so dass die biologische Vielfalt verloren geht. All das gefährdet zunehmend das Recht auf Nahrung der Kleinbauern - in Naputa, in ganz Mosambik und anderswo.

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