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Geschäftige Hindus und pakistanische Tagelöhner

Stereotype über ethnische Minderheiten in britischen und deutschen Medien

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Medien verbreiten oft Stereotype über Migranten und Minderheiten. Die können manchmal positiv gemeint sein - wirken aber trotzdem diskriminierend. Deutsche Medien sind da in guter bzw. schlechter Gesellschaft.

Es scheint, als würden sich die deutschen Medien bei ihrer Berichterstattung über Minderheiten in einer guten bzw. schlechten Gesellschaft mit anderen westlichen Medien befinden. Zumindest entsteht dieser Eindruck, wenn man die Ausführungen auf der internationalen Konferenz der Akademie des Jüdischen Museums Berlin über Medien und Minderheiten verfolgt. Augie Fleras, Medienwissenschaftler an der kanadischen Universität von Waterloo, beklagt, dass nur wenige Journalisten überhaupt Kontakt zu Minderheiten wie beispielsweise zu den Ureinwohnern hätten. In den Medien werde meist eine homogen weiße Sichtweise auf Problemlagen präsentiert. So werde über indianische Ur-Einwohner meist nur berichtet, wenn sie Blockaden veranstalten oder sonst irgendwie störend in der Öffentlichkeit auftreten. Oft würden sie als irrational und unbequem bezeichnet, aber es gehe kaum um den Dialog mit ihnen. Auf der anderen Seite würden etwa chinesische Kanadier meist extrem positiv dargestellt, weil sie als fleißig, unproblematisch und gut in die weiße Mehrheitsgesellschaft integriert gelten. »Dann aber werden sie auch verkindlicht, weil sie in dem Ruf stehen, alles zu erdulden und keinerlei Initiativen zu ergreifen. Das ist dann die Kehrseite einer vermeintlich positiven Berichterstattung«, berichtet der kanadische Medienwissenschaftler.

Ähnlich schildert der Kommunikationsexperte Anamik Saha von der Goldsmiths-Universität in London die Lage für Europa. Selbst die öffentlich-rechtlichen Medien, wie z.B. die altehrwürdige BBC, würden der Gefahr einer stereotypen Berichterstattung erliegen. Es habe in Großbritannien sogar schon Boykottdrohungen gegeben, keine Fernsehgebühren mehr zu zahlen, wenn in der BBC nicht mehr Rücksicht auf Ethnien genommen werde. So würde über den Islam meist nur berichtet, wenn es um Terrorismus und Gewaltkonflikte gehe, sonst spielten Muslime in ihrem bürgerlichen Alltag nur eine Nebenrolle. »Dok-Filme im Channel 4 über die asiatische Bevölkerung haben fast immer einen Bezug zum Terrorismus. Wichtig ist es eben, Lärm zu produzieren ohne Sensibilität für Differenzierungen. Der Muslim, der inkompatibel ist mit der westlichen Gesellschaft, verkauft sich eben besser als eine realistische Darstellung«, kritisiert der Londoner Medienwissenschaftler.

Die britischen Medien seien allerdings auch von einer positiv gemeinten, aber ebenso diskriminierenden Stereotypisierung von Minderheiten geprägt. Der erfolgreiche hinduistische Geschäftsmann gelte bei der Presse beispielsweise als der ideale britische Bürger, weil er für die Wirtschaft nützlich sei. Der pakistanische Tagelöhner komme dagegen in den Medien eher nicht zu Wort. »Es geht immer um Klasse und Rasse. Sie können auch als Nichtweißer in den britischen Medien geadelt werden, wenn Sie irgendetwas besonders gut können«, sagt Saha ironisch.

Ein Erklärungsversuch für die Einseitigkeit des Blickwinkels sei, dass etwa die BBC von einer weißen studierten Mittelschicht dominiert werde. Nur äußerst selten schafften es Nichtstudierte aus anderen Ethnien in die Führungsebene. Kein Wunder also, dass immer mehr Migranten und Minderheiten den etablierten Massenmedien den Rücken kehrten, weil sie sich dort nicht repräsentiert fühlten.

Für Deutschland fällt die Analyse ähnlich aus. Initiativen wie der Zusammenschluss »Neue Deutsche Medienmacher« oder der »Mediendienst Integration« bemühen sich seit Jahren um differenziertere Berichterstattung etwa durch Vermittlung kompetenter Interviewpartner oder wie jüngst durch Pressefahrten, um Initiativen und Bildungsangebote vorzustellen, die gegen die zunehmende Islamisierung und Radikalisierung junger Muslime angehen. Denn nichts ist schlimmer, als wenn Journalisten auch in Deutschland über Dinge und Sachverhalte schreiben, die sie vorher noch nie gesehen haben.

Problematisch ist allerdings auch hierzulande, dass trotz der Tatsache, dass es immer mehr Journalisten mit ausländischen Wurzeln gibt, die Sichtweise der Einwanderer in der Programmgestaltung der TV-Sender kaum noch eine Rolle spielt. So wurden Multikulturalismus-Programme von den TV-Sendern eingestellt, weil es angeblich keine eigenen Sendungen mehr für ethnische Minderheiten braucht. Ein Beispiel dafür ist das Ende des Hörfunkprogramms »Multikulti« im rbb.

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