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Frankenhüter führen Strafzinsen ein

Nationalbank der Schweiz will Wechselkurs zum Euro stabilisieren

  • Von Steffen Klatt, Zürich
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Schweizerische Nationalbank führt Negativzinsen ein. Damit reagieren die Hüter des Franken auf den anhaltenden Aufwertungsdruck der Schweizer Währung.

Dieser Schritt hat die Märkte überrascht. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) teilte am Donnerstag mit, dass sie künftig Zinsen von Kreditinstituten verlangen werde, die Geld bei ihr parken. Der Zinssatz würde zunächst 0,25 Prozent betragen, könnte bei Bedarf aber erhöht werden. Banken, Börsenhändler, internationale Organisationen und selbst ausländische Zentralbanken müssen künftig diesen Zins auf Einlagen zahlen, die einen bestimmten Freibetrag übersteigen. Dieser ist individuell verschieden, beträgt aber mindestens zehn Millionen Franken.

SNB-Präsident Thomas Jordan begründet diesen Schritt mit dem Aufwertungsdruck, der in den letzten Tagen auf dem Franken gelastet habe: »Die rasch zunehmende Unsicherheit an den Finanzmärkten hat zu einer deutlich erhöhten Nachfrage nach sicheren Anlagen geführt«, sagte er auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Dazu habe die Zuspitzung der Krise in Russland beigetragen. Die Nationalbank sei gezwungen gewesen, den Kurs des Frankens mit Devisenkäufen zu verteidigen.

Die Nationalbank hatte 2011 einen Mindestwechselkurs von 1,20 Franken zum Euro eingeführt. Damit hatte sie auf den massenhaften Zufluss von Geld aus der kriselnden Eurozone reagiert. Der Euro war zuvor bis auf die Parität von 1:1 gegenüber dem Franken gefallen. Die Schweizer Exportwirtschaft drohte auf einen Schlag ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Seither hat die Nationalbank diesen Mindestwechselkurs mit teilweise massiven Devisenkäufen verteidigt. Inzwischen verfügt sie über Devisenreserven von 471 Milliarden Franken (390 Milliarden Euro) - deutlich mehr als etwa das zehnmal größere Deutschland. Die Nationalbank sei auch künftig bereit, »unbeschränkt Devisen zu kaufen«, um den Mindestkurs zu halten, so Jordan.

Die Märkte reagierten verhalten. Der Franken schwächte sich gegenüber Euro und Dollar nur leicht ab. Der Wechselkurs erreichte gegen Mittag 1,2047 Franken zum Euro statt zuvor 1,2008 Franken. Aus der Schweizer Politik und Wirtschaft erhält die Entscheidung indes Unterstützung. »Gerade in den aktuell turbulenten Zeiten ist es entscheidend, dass der Mindestkurs zum Euro nicht in Frage gestellt wird«, so der Wirtschaftsdachverband economiesuisse. Ähnlich klingt es bei den Arbeitnehmern: »Der Schweizerische Gewerkschaftsbund ist erleichtert, dass die Schweizerische Nationalbank mit der Einführung von Negativzinsen einen weiteren Schritt zur Bekämpfung der Frankenüberbewertung und der Deflationsgefahren gemacht hat.«

Der Aufwertungsdruck auf den Franken dürfte allerdings anhalten. So gibt es derzeit keine Anzeichen einer Inflation. In diesem Jahr bleiben die Preise nach Einschätzung der Nationalbank stabil. Im nächsten dürften sie sogar um 0,3 Prozent sinken und erst 2016 wieder leicht steigen. Die Eurozone trägt zum Aufwertungsdruck bei. Wenn die Europäische Zentralbank die Märkte wie erwartet erneut mit Liquidität flutet, dann dürfte das Geld zumindest teilweise einen sicheren Hafen suchen. Zum Beispiel in der Schweiz.

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