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»Die Leute haben geweint«

Freude über die Freilassung der »Miami Five« und Hoffnung auf Neuanfang

  • Von Andreas Knobloch, Havanna
  • Lesedauer: 2 Min.

Die Spannung in Havanna war zum Greifen. Am Mittwochvormittag machten kettenweise verschickte SMS darauf aufmerksam, dass Präsident Raúl Castro am Mittag eine »wichtige Ankündigung zu den Beziehungen zwischen Kuba und den USA« machen würde. Die meisten Kubaner ahnten da noch nicht, worum es gehen würde. Wegen des eingeschränkten Internetzugangs hatten nur die Wenigsten mitbekommen, dass Kuba am Morgen Alan Gross freigelassen hatte.

In olivgrüner Uniform, in der man ihn eher selten sieht, und vor einem Porträt von José Martí sitzend, erschien Raúl Castro Punkt zwölf Uhr auf allen Radio- und Fernsehkanälen Kubas gleichzeitig. In einer knappen Ansprache informierte er darüber, dass bei einigen bilateralen Fragen zwischen Kuba und den USA Fortschritte erzielt wurden.

Die drei bislang noch in US-Gefängnissen einsitzenden sogenannten »Miami Five«, Antonio Guerrero, Ramón Labañino und Gerardo Hernández, seien - wie von Fidel Castro im Juni 2001 versprochen - zurück in der Heimat. Die anderen beiden, René González und Fernando González, waren schon zuvor nach Verbüßung ihrer Haftstrafen freigekommen und nach Kuba zurückgekehrt. Die Entscheidung Obamas verdiene den Respekt und die Anerkennung.

»Die Leute haben geweint, sich umarmt, die Fernseher umarmt«, beschreibt die Rentnerin Gloria Rosina den entscheidenden Moment, »aber die Fünf sind zuhause.« »Ich konnte es kaum glauben«, sagt Conner Gorry aus New York, die seit 13 Jahren in Kuba lebt und ein kleines Café betreibt. »Es ist ein historischer Tag. Ein lange erwarteter Wandel und dann kommt er so unerwartet.« Ihre Familie habe sofort angerufen. Ständig kommen Freunde und Nachbarn vorbei, um die Neuigkeiten zu kommentieren. »Vieles wird nun einfacher, die Reisen, die Geldüberweisungen«, sagt sie. »Alles wird sich verändern. Aber wie schnell?« Es klingt, als ob ihr auch ein bisschen bange davor ist. Computerechniker Fahd Miguel Pereira hätte Castros Rede beinahe verschlafen. »Dieser Tag wird unsere Leben markieren - in ein Vorher und ein Nachher.«

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