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Wohlfühl-Therme statt Schwimmbad für alle

Berliner Bäder Betriebe nehmen Kurs auf 2025: mit Multifunktionshallen und 30 Grad Beckentemperatur

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Ole Bested Hensing, der Chef der Berliner Bäder Betriebe (BBB), treibt den Umbau des maroden kommunalen Unternehmens voran - ohne dass das Bäderkonzept durch die Politik bisher abgesegnet, geschweige denn diskutiert worden ist.

Wie groß der Unterschied zwischen Schein und Sein bei den Berliner Bäder Betrieben (BBB) ist, lässt sich zurzeit gut im Spreewaldbad in Kreuzberg beobachten. Der Eingangsbereich des »freizeitorientierten« Bades wirkt wie die Tanzfläche eines Technoclubs: An der Wand strahlen großflächige LED-Lampen, lounchige Sitzflächen laden zum Verweilen ein. Leicht erhöht am schicken Eingangspult thront eine Mitarbeiterin der Bäderbetriebe wie ein DJ in der neuen Dienstkleidung, die die BBB für viele tausend Euro in diesem Jahr neu angeschafft haben - wegen Farbproblemen entstanden dabei im Übrigen Mehrkosten von über 10 000 Euro.

Doch die Schattenseite der schönen neuen Welt der Bäderbetriebe, die wohl bald besser Berliner Therme Betriebe (BTB) heißen sollten, beginnt unmittelbar hinter den Eingangsschleusen: Nicht funktionierende Duschen sind eines der Übel des Bades, das seit 30 Jahren nicht grundlegend saniert wurde, aber dennoch zu den höchst preisigen des kommunalen Unternehmens zählt. In der vergangenen Woche beispielsweise war das Beckenwasser zwar auf 30 Grad hocherhitzt worden, doch die Heizung funktionierte an mehreren Tagen nicht richtig. Von frustrierten Badegästen darauf angesprochen, warb der Leiter des Bades um Verständnis: Es würde sich um »Kinderkrankheiten« handeln.

Dabei zeigt das Beispiel Spreewaldbad, wohin die Reise der Bäderbetriebe unter ihrem umstrittenen Chef Ole Bested Hensing hingehen soll: Mit Warmbädern und neuen Multifunktionshallen, die für zweistellige Millionenbeträge an verschiedenen Standorten berlinweit errichtet werden sollen, soll eine ganz neue Klientel angesprochen werden: Kinder, Schwangere und Rentner. Diese »Zielgruppe« soll »besser und nachhaltiger« angesprochen werden, heißt es in der Beantwortung der Senatsverwaltung für Sport auf eine Kleine Anfrage der Linkspartei-Abgeordneten Gabriele Hiller, die »nd« vorab vorliegt. Die Erhöhung der Wassertemperaturen kosten die Bäderbetriebe demnach rund 100 000 Euro pro Jahr, die durch den Warmwasserbadezuschlag von 1,50 Euro wieder reingeholt werden sollen. »Im Stadtbad Neukölln gibt es seit Beginn der Warmwassertemperaturen 20 Prozent mehr Besucher«, sagt Bäderbetriebe-Sprecher Matthias Oloew dem »nd«. 10 000 Gäste sollen wegen des »wohligen« Wassers mehr gekommen sein. Ob sich dieser Zuwachs auf die anderen sechs Warmbäder übertragen lässt, ist indes zu bezweifeln. Und Zahlen für alle Schwimmhallen und -Bäder gibt es bis Anfang kommenden Jahres nicht. Gerüchten zufolge soll es unter Bested Hensing aber 2014 einen sechsstelligen Besucherrückgang gegeben haben.

Inspiration für seine Vorstellungen sammelte der Bädervorstand mit Ole Bested Hensing und fünf weiteren Personen am 4. und 5. November dieses Jahres auf einer Dienstreise ins bayerische Bad Reichenhall. Dort wurde die »Rupertus-Therme« im Rahmen eines »Strategie-Workshops« besichtigt. Kostenpunkt: »1985 Euro«. Aus dem Wirtschaftsplan 2014 leisteten sich die defizitären Bäderbetriebe aber nicht nur Ausflüge des Vorstands, sondern auch für 265 000 Euro drei aufwendige Marktforschungsstudien. Unter anderem zu ihren eigenen Besuchern, dem Bäderkonzept 2025 sowie eine Sauna-Studie. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen spiegeln das Dilemma des kommunalen Unternehmens wider: Demnach möchte ein Großteil der Berliner Bevölkerung (63 Prozent) schwimmen, um »Spaß und Erholung« zu haben. Nur bei 24 Prozent steht das Sportschwimmen im Vordergrund. Bei denjenigen, die aber zu den bislang treuen Kunden des Unternehmens zählen, verhält es sich genau umgekehrt: 58 Prozent wollen sportlich schwimmen und nur 40 Prozent suchen »Erholung und Spaß«.

Diese Zahlen erklären allerdings auch den großen Unmut über die neue Schwimmbäderpolitik. So haben im Internet bereits über 800 Schwimmbadbesucher die Petition bei change.org »Lasst-uns-schwimmen« gezeichnet. »Das Prinzip, in Wohnortnähe niedrigschwellige Angebote zum Schwimmen zu haben, gilt in Berlin nicht mehr«, sagt die sportpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus, Gabriele Hiller dem »nd«. Sie ärgert, dass die Bäderbetriebe jetzt in Geschäftsfelder vorstoßen wollen, die durch einige kommerzielle Anbieter in Berlin gut abgedeckt sind. Am meisten stört die Linkspartei-Abgeordnete aber, dass der neue Kurs des kommunalen Unternehmens ohne politische Debatte erfolgt. Bis Februar 2015 soll es dauern, bis endlich das Bäderkonzept 2025 im Abgeordnetenhaus besprochen wird. Eine Beteiligung von Kunden und Mitarbeitern sieht sicher anders aus.

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Das Blättchen Heft 02/18