Damit alte Spieldosen wieder klingen

Ein Mahlsdorfer gehört europaweit zu den wenigen, die mechanische Instrumente reparieren

Was in der kleinen Werkstatt von Horst Riesebeck entsteht, sorgt für großes Aufsehen. Seit 33 Jahren repariert er selbstspielende mechanische Musikinstrumente und Uhren.

Zwei schmale Räume bilden eine Werkstatt. Es ist eng in dem kleinen Kabuff. Auf den Tischen und in den Regalen liegen Walzen, Wellen, Klanggabeln, Feilen, Zahnräder, viele Schraubenzieher und Zangen. Und dann überall dieses Ticken: Pendel bewegen sich gleichmäßig im Takt. Sie stecken in wertvollen Holzgehäusen von Uhren, die normalerweise in den Wohnzimmern ihrer Besitzer zu finden sind. Doch vorübergehend machen sie in Mahlsdorf Station.

Horst Riesebeck, der Restaurator und anerkannte Kunsthandwerker, haucht solchen historischen Uhren und Spieldosen neues Leben ein. Er hatte das Glück und konnte sein Hobby zum Beruf machen. Schon zu DDR-Zeiten war das, was er tat, etwas ganz Besonderes. Der heute 70-Jährige galt als einziger zugelassener Restaurator für mechanische Musikinstrumente.

Und auch als Rentner kümmert er sich immer noch um die wertvollen Exemplare aus vergangenen Zeiten. »Mich fasziniert diese Arbeit, weil es jedes Mal eine Herausforderung ist«, beschreibt der Mahlsdorfer seinen inneren Antrieb. Außerdem sei er glücklich, wenn die Kunden die mühevoll reparierten und wieder spielenden Einzelstücke abholen. Meistens ist er nämlich ihre letzte Hoffnung. »Ich werde gebraucht, ich kann mich gar nicht zur Ruhe setzen«, betont er und lächelt.

In seiner Werkstatt nimmt er zunächst das, was ihm gebracht wird auseinander. Dazu gehören mechanische Plattenspielautomaten aus dem Jahr 1900, Walzenspieldosen, pneumatische Klaviere oder eben alte Uhren. Was nicht mehr funktioniert, baut Riesebeck nach. Er weiß, wie Zugfedern, Geschwindigkeitsregler oder Pendel beschaffen sein müssen. Manchmal schaut er dazu in seine Aufzeichnungen, die er seit den 1980er Jahren akribisch zu fast jedem Sammlerstück anfertigte. Auch Fotos liegen in den Mappen und kleine handgemalte Skizzen.

Natürlich erinnert er sich an etliche Aufträge. So beispielsweise an den bislang Größten: ein drei Meter hohes und mehr als drei Meter breites Orchestrion mit 27 verschiedenen Instrumenten. 1987 heuerte ihn dafür das Märkische Museum an. »Unterlagen existierten keine und ich brauchte ein ganzes Jahr für die Reparatur«, schildert Horst Riesebeck diese Herausforderung. »Es spielt heute immer noch.« Erst vor wenigen Wochen beendete er wieder ein größeres Projekt. Ein mehr als 100 Jahre altes Piano-Pianola, das im Gründerzeitmuseum am Hultschiner Damm steht, war kaputt.

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