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Pegida? Es geht auch anders!

Nicht alle Menschen in Deutschland haben etwas gegen Flüchtlinge: Die Solidarität vieler Menschen ist groß.

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Was in der medialen Debatte um Flüchtlinge etwas untergeht, ist das Engagement für Flüchtlinge. Pegida, Bogida, Kagida, Irgendwasda - viele Menschen in diesem Land beweisen Tag für Tag, dass es auch anders geht.

Die Debatte um die deutsche Flüchtlingspolitik wird derzeit vor allem von den Aktivitäten der rassistischen und islamfeindlichen Bewegung Pegida bestimmt. In den vergangenen Wochen nahmen in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden regelmäßig viele Tausend Menschen an Kundgebungen der Bewegung teil und forderten unter anderem ein strengeres Asylrecht.

Die mittlerweile bundesweiten Pegida-Aufmärsche (siehe Karte) stoßen auf breite Kritik, in der Politik herrscht nach wie vor Ratlosigkeit, wie der Bewegung zu begegnen ist. Die Anti-Islam-Bewegung »Pegida« findet im Westen fast genauso große Zustimmung wie in Ostdeutschland. In einer am Freitag veröffentlichten YouGov-Umfrage sagten 36 Prozent der befragten Bürger im Osten, sie fänden es gut, dass jemand auf Fehler in der Asylpolitik aufmerksam mache und sich gegen den Islamismus ausspreche. Im Westen waren es 33 Prozent. Die Befragten im Osten sehen die Bewegung allerdings stärker in der Mitte des politischen Spektrums: 36 Prozent verorten sie in der Mitte, im Westen sind es 27 Prozent. Dafür halten 45 Prozent der Westdeutschen »Pegida« für rechts oder extrem rechts, von den Ostdeutschen sagen das nur 41 Prozent.

Was in der medialen Debatte um Flüchtlinge etwas untergeht, ist das Engagement für Flüchtlinge. Der Präsident des Deutschen Städtetages, Ulrich Maly, hat eine »große Hilfsbereitschaft« der Bürger gegenüber Flüchtlingen und Asylbewerbern gelobt. Dies sei ein »starkes Signal«, sagte Maly der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung«. Das Engagement der vielen Ehrenamtlichen werde bei der Integration »sehr helfen«. Denn die Flüchtlinge unterzubringen sei erst der Anfang, ihre Eingliederung in die Gesellschaft sei weit schwieriger; Ämter und Sozialarbeiter schaffen das nicht allein.

Stichproben in mehreren Kommunen ergaben dem Bericht der Sonntagszeitung zufolge, dass mindestens sechs von zehntausend Bürgern ehrenamtlich für Flüchtlinge tätig sind. Hochgerechnet auf die 82 Millionen Einwohner Deutschlands wären das knapp 50 000 Menschen und damit dreimal so viele, wie zuletzt in Dresden gegen die Aufnahme von Asylbewerbern und Flüchtlingen protestierten.

Die meisten Ehrenamtlichen engagieren sich demnach an einem Tag in der Woche für rund zwei Stunden. Manche, vor allem Rentner, sind viel öfter im Einsatz. Die Helfer sammeln etwa Winterkleidung und Schuhe, erkunden mit Neuankömmlingen die Stadt oder begleiten Erwachsene zu Ämtern und Ärzten. Sie helfen auch bei der Eröffnung eines Bankkontos oder den Kindern bei den Hausaufgaben. Unternehmer bieten Praktika in ihren Betrieben an. Viele Menschen spenden Möbel, Hausrat, gebrauchte Fahrräder und Fernseher. Viele Menschen beweisen jeden Tag, dass es auch anders geht. Hier ein paar Beispiele, auf unserer Karte finden sie weitere Aktionen und Initiativen in ganz Deutschland.

Möbel aus Lampedusa-Wracks: Flüchtlinge arbeiten in einer Werkstatt ihre Geschichte auf - auch ohne Aufenthaltserlaubnis

Es könnte eigentlich ein ganz normaler Ausbildungsbetrieb sein. Tatsächlich ist »Cucula« ein Projekt, das mit den Möglichkeiten eines liberalen Ausländerrechts spielt. Die vier Männer stammen aus Afrika, aus Mali und Niger. Sie sind vor etwa zwei Jahren mit einem Flüchtlingsboot in Lampedusa angekommen. Ihre Asylverfahren laufen - Ausgang ungewiss. »Wir wollen eine Utopie schaffen, an die sich die Wirklichkeit anpassen muss«, sagt einer der Projektleiter, Sebastian Däschle. Die Utopie ist die Werkstatt, ein Start-up von und für Flüchtlinge, in dem sie eine Ausbildung machen können. Eigentlich - und das ist die Wirklichkeit - brauchen sie dafür eine Aufenthaltserlaubnis von den Behörden. Däschle ist Designer und Architekt. Er zeigt den Männern, wie sie nach den Plänen des italienischen Designers Enzo Mari einfache Möbel bauen können. Ihre gemeinsame Sprache sind die Baupläne. Celestine Hassenfratz stellt das Projekt vor.

Weil es immer weiter geht? - Alpha Neumann trainiert Flüchtlinge

Er ist Ex-Judoka, war mal Leichtathlet, Fußballer, jetzt ist er Trainer. Seit diesem Jahr ist etwas zu seinen Aufgaben hinzugekommen, das einigen Menschen in Köpenick nicht gefällt. Alpha Neumann weiß das, weil sie ihm E-Mails schreiben, sich beschweren und ihm vorwerfen, er sei eine »rote Socke«. Er trainiert Kinder, die im Flüchtlingsheim in Köpenick wohnen. Die Idee dazu hatten im April der Landessportbund Berlin und der Köpenicker Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD). Celestine Hassenfratz hat Alpha Neumann getroffen.

Willkommenskultur in Wandlitz

Nach anfänglicher Angst vor Vandalismus und Kriminalität haben die Bürger von Wandlitz ihre Vorurteile gegenüber Asylbewerbern abgelegt und eine vorbildliche Willkommenskultur etabliert. Bereits zum dritten Mal lud im Herbst 2014 der Wandlitzer »Runde Tisch Willkommen« zum Bürgerfest in das Kulturzentrum »Goldener Löwe« ein. Rund 200 Anwohner und Gäste, darunter auch viele aktuelle und ehemalige Bewohner des Übergangswohnheims für Flüchtlinge und Asylbewerber in der Bernauer Chaussee, folgten der Einladung und verbrachten gemeinsam einen stimmungsvollen Nachmittag.

Als die Einrichtung mit rund 80 Plätzen im Januar 2013 eröffnet wurde, stieß das in der Nachbarschaft nicht gerade auf Begeisterung. Doch anders als in vielen anderen Orten bildete sich in Wandlitz sehr schnell etwas heraus, was gerne als »Willkommenskultur« bezeichnet wird. Wie diese genau aussieht, lesen sie im vollständigen »nd«-Artikel.

Leipziger Online-Initiative zu Winterabschiebestopp

Die Leipziger Thomaskirchenpfarrerin Britta Taddiken und der Schriftsteller Andreas Knapp haben eine Online-Petition gegen Winterabschiebungen von Asylbewerbern in Sachsen gestartet. »Auch in diesem Winter werden wieder Asylsuchende aus Sachsen eiskalt abgeschoben - ohne Rücksicht auf die harten winterlichen Bedingungen ihrer Herkunftsländer«, teilten die beiden Initiatoren am Dienstag in Leipzig mit.

Besonders betroffen seien Roma aus Serbien, Bosnien-Herzegowina und Mazedonien. Alarmierend sei diese Praxis auch deshalb, weil Sachsen »den traurigen Rekord« halte und im bundesweiten Vergleich die meisten Abschiebungen durchsetzt.

Die Weihnachtskampagne der beiden Leipziger wurde am 21. Dezember bei der Plattform »Open Petition« gestartet. Die sächsische Landesregierung wird darin aufgefordert, dem Beispiel von Schleswig-Holstein und Thüringen zu folgen und einem Winterabschiebestopp zuzustimmen. Die Petition erinnert an die Not der Herbergssuche von Maria und Josef, die am erzählerischen Anfang des Weihnachtsfestes steht und »heute unsere Solidarität herausfordert«, heißt es.

Am Ende des Tunnels

Ab 18 Uhr fährt kein Bus mehr, um 22 Uhr wird der Halberstädter Bahnhof abgeschlossen. Doch gerade abends kommen häufig Asylbewerber in der Stadt an. Und dann? Eine Initiative versucht, ankommenden Asylbewerbern bei ihren ersten Schritten in der Stadt zu helfen.

Willkommenskultur selber machen? Klar!

»Refugees Welcome. Gemeinsam Willkommenskultur gestalten« - das ist der Titel einer neuen Broschüre der Amadeu Antonio Stiftung und PRO ASYL, die anhand von zahlreichen guten Beispielen aufzeigt, was lokale Initiativen tun können, um Flüchtlinge willkommen zu heißen. Die Broschüre gibt ermutigende Beispiele und Hinweise für Engagierte, Vereine, Sport, Schule, Politik und Verwaltung zur Integration von Geflüchteten und versucht, Initiativen zum Engagement für den Schutz von Flüchtlingen vor rechten Angriffen anzuregen. In der Printform ist sie leider vergriffen, sie können sie aber hier als pdf-Datei herunterladen. nd/mit Agenturen

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