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Weihnachtstrubel im Wattenmeer

Auf der Hallig Süderoog leben nur zwei Menschen - doch zum Fest wird das Haus der Nationalparkwarte voll sein

  • Von Hartmut Schulz, Hallig Süderoog
  • Lesedauer: 2 Min.

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Im Winter ist es einsam und still auf der Hallig Süderroog im Wattenmeer - nur zwei Nationalparkwarte wohnen dort. Das wird sich über Weihnachten ändern.

Nele Wree (32) und Holger Spreer (34) blicken mit freudiger Erwartung über die Nordsee, wenn sie an Heiligabend und die Weihnachtsfeiertage denken. Sie sind die beiden einzigen Menschen, die auf der ein Kilometer langen und 800 Meter breiten Marschinsel Süderoog im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer leben. Über die Feiertage haben sie ihre Familien auf die Hallig eingeladen und sind optimistisch, dass viele kommen. Im vergangenen Jahr reisten immerhin 17 Verwandte an, darunter sechs Kinder.

Wree und Spreer sind Nationalparkwarte auf Süderoog, angestellt beim Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz. Um Jesu Geburt zu feiern, werden sie keine Christvesper in einer Kirche besuchen, aber jede Menge Weihnachtslieder singen, sagt Nele Wree.

Denn die nächste Kirche steht auf der sechs Kilometer entfernten Nachbarinsel Pellworm, und dorthin müssten sie bis zu eineinhalb Stunden pro Strecke laufen - bei Ebbe durchs Watt. »Zeitlich klappt das nicht, der Aufwand wäre zu groß.«

Stattdessen sorgt das gemeinsame Singen mit möglichst vielen Familienmitgliedern am Heiligen Abend für die Feststimmung. Lieblingslieder von Nele Wree sind »Vom Himmel hoch« und »Oh Du fröhliche «. Lebenspartner Holger spielt dazu auf dem Akkordeon. Auch um einen Tannenbaum brauchen sie sich keine Sorgen zu machen. Wrees Vater ist Forstwirt in Bad Segeberg und wird ihn fällen, Fischkutter »Columbus« bringt ihn dann rechtzeitig auf die Hallig. Auch die Familien reisen mit dem Fischkutter an.

Die beiden Nationalparkwarte beobachten nicht nur die Tierwelt und dokumentieren die Entwicklung, sondern bewirtschaften die Marschinsel auch ökologisch. Unter anderem halten sie 33 Schafe, 17 Enten, 18 Gänse sowie Hühner und Puten. »Nach Weihnachten werden es nicht mehr so viele sein«, sagt Wree. Klar ist, dass einige von ihnen als Weihnachtsbraten enden und auch Freunde und Bekannte damit beschenkt werden.

Im Mai 2013 hatten Wree und Spreer ihre Vorgänger Hermann und Gudrun Matthiesen auf der Hallig abgelöst. Seitdem leben die studierte Kunsthistorikerin und der ehemalige Kapitän eines Krabbenkutters auf der Insel. Umgeben von Salzwiesengräsern und den Tieren ist es in den Wintermonaten sehr still, im Sommer dagegen umso lebendiger. Dann kommen bis zu 50 Touristen täglich, die von Wree und Spreer bewirtet werden. Der Weihnachtswunsch der Nationalparkwarte ist klar: »Dass möglichst viele aus unseren Familien kommen und dass es keine Stürme gibt oder gar Eis und Schnee«, sagt Nele Wree. epd/nd

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