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Ina Merkel, Feministin

Der Spruch »Hexen, Hexen an die Besen, sonst ist unser Land gewesen!« prangt am 3. Dezember 1989 an der Berliner Volksbühne. Mehr als 1000 Frauen sind zusammengekommen, um an diesem Tag den Unabhängigen Frauenverband (UFV) ins Leben zu rufen. Die Schauspielerin Walfriede Schmitt trägt das »Manifest für eine autonome Frauenbewegung« vor, verfasst hat es die damals 32-jährige Kulturwissenschaftlerin Ina Merkel. »Wiedervereinigung hieße in der Frauenfrage drei Schritte zurück«, heißt es treffend in dem Grundsatzpapier des UFV, der gegründet wurde, um die Belange von Frauen am Runden Tisch zu vertreten - mit Ina Merkel und Walfriede Schmitt.

Wie ihre Mitstreiterinnen will Merkel die DDR verändern. Sie kritisiert, dass Frauen an den Stellen der Macht in Politik und Wirtschaft kaum vertreten sind, und das eklatante Lohngefälle zwischen den Geschlechtern. Nicht trotz, sondern wegen der tiefen Krise dieser Gesellschaft und der dringend gebotenen Reformen, fordert sie, nun auch die »Frauenfrage« zu stellen.

Doch die Desillusionierung folgt auf dem Fuße. Kein Jahr später kritisiert Merkel die Entwicklung von lebendigen Bürgerbewegungen zu parteiähnlichen Apparaten und stellt fest, dass auch der Grundkonsens des UFV »längst zerbrochen« sei: die sozialistische Gesellschaft so reformieren zu wollen, dass Frauen darin besser leben könnten.

Mit den Geschlechterverhältnissen und der Gesellschaft der DDR, insbesondere Alltag und Konsumkultur, beschäftigt sich Merkel bis heute wissenschaftlich. Mittlerweile lehrt sie seit vielen Jahren als Professorin am Institut für Europäische Ethnologie an der Universität Marburg.

Teile ihres Manifests klingen 25 Jahre später noch so aktuell wie damals. Warum eine Krankenschwester weniger verdient als ein Lkw-Fahrer, wird darin gefragt, und eine »radikale Quotierung« in allen gesellschaftlich relevanten Positionen gefordert. Völlig zeitlos ist ohnehin der wunderschöne Satz: »Die Frauen haben kein Vaterland zu verlieren, sondern eine Welt zu gewinnen.« rst

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