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Mehr als van Gogh und Pilsener

Kulturhauptstädte 2015

  • Von Isabel Guzmán und Kilian Kirchgeßner
  • Lesedauer: 3 Min.

Es war im Frühjahr 1879, als Vincent van Gogh beschloss, die Kohlemine Marcasse in der Nähe der belgischen Stadt Mons zu besuchen. Der Niederländer war Mitte 20 und arbeitete als Hilfsprediger im bitterarmen Steinkohlerevier Borinage. Der Eingang der stillgelegten Mine ist heute noch zu besichtigen. Wie auf Stelzen stehen dunkle Mauerreste vor einer Abraumhalde. Sie gehören zu den vielen Sehenswürdigkeiten rings um Mons, der Europäischen Kulturhauptstadt 2015.

Mons - das den Hauptstadttitel gemeinsam mit dem tschechischen Pilsen trägt - hat das Werk van Goghs zu einem der Schwerpunkte gemacht. Zwischen dem 25. Januar und dem 17. Mai können Besucher die bewegten zwei Borinage-Jahre des Künstlers in einer großen Ausstellung erkunden. Rund 70 Gemälde, Zeichnungen und Briefe werden im »Beaux-Arts«-Museum (BAM) im Zentrum von Mons zu sehen sein.

Insgesamt sind für dieses Jahr, das in Mons unter dem Motto »Technologie trifft auf Kultur« steht, mehr als 300 Kunstveranstaltungen geplant. »Mons ist von Deutschland nicht weit weg«, lockt Bürgermeister Elio di Rupo. Er war früher wallonischer und belgischer Regierungschef - keine schlechten Voraussetzungen, um Fördergelder heranzuschaffen. »Mons liegt genau im Dreieck zwischen Aachen, Amsterdam und Paris«, wirbt er. »Warum also nicht für ein paar Stunden bei uns hereinschauen?«

In Pilsen, der zweiten Kulturhauptstadt 2015, geht es nicht ohne Bier. Und so hat die viertgrößte Stadt der Tschechischen Republik ihren Exportschlager zum wichtigen Programmpunkt ausgebaut. Die Felsenkeller, deren verzweigtes Gängesystem sich kilometerweit unter der Stadt ausbreiten, dürften in diesem Jahr einen Besucheransturm erleben.

Jiri Suchanek, Direktor des Kul- turhauptstadt-Programms, möchte den Besuchern aber auch zeigen, dass Pilsen mehr zu bieten hat: »Wir wollen weg von den Stereotypen, und die Stadt auf eine ganz neue Art öffnen«, sagt er.

Und da gibt es einiges: Die reiche Barock-Tradition der Pilsener Region wird im kommenden Jahr gefeiert. Markant sind auch die herrlichen Bürgerhäuser, die im Stil der österreichisch-ungarischen Monarchie um den Marktplatz und die imposante Bartholomäus-Kirche stehen, dazu die prächtige Grünanlage, die sich um die Altstadt zieht. Dieses alte Erbe wollen die Pilsener jetzt neu erobern. Denn ihre Stadt war zu realsozialistischer Zeit vor allem vom kilometerbreiten Industrie-Gürtel rings um das historische Zentrum dominiert. Die 1853 gegründeten Skoda-Maschinenbau-Werke haben die Stadt geprägt.

Jetzt spielen die Programm-Macher mit Industrie-Klischees. Ein altes Straßenbahndepot haben sie zum Kulturzentrum umgebaut, in dessen riesigen Hallen Ausstellungen und Konzerte stattfinden und wo auch Künstler und andere Kreative günstige Ateliers finden.

Nicht zuletzt möchte Pilsen, das weniger als eine Autostunde von Bayern entfernt ist, im Kulturhauptstadt-Jahr seine Internationalität betonen: Es gibt gemeinsame Projekte mit bayerischen Partnern und etliche Gemeinschaftsaktionen mit Japanern, die zu den großen Investoren gehören. Einer der Höhepunkte des Programms: ein Zirkusfestival mit französischen Artisten. epd/nd

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