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Linksradikale DHKP-C bekennt sich zu Anschlag in Istanbul

Selbstmordattentäterin riss Polizisten mit in den Tod

Istanbul. Eine linke Untergrundorganisation hat sich zum Selbstmordanschlag in einem beliebten Touristenviertel Istanbuls bekannt. Die verbotene Revolutionäre Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) teilte am Mittwoch mit, eines ihrer Mitglieder habe am Dienstag den Angriff auf eine Polizeiwache in der türkischen Metropole verübt. Dort hatte sich eine Frau in die Luft gesprengt und einen Polizisten mit in den Tod gerissen.

Die Selbstmordattentäterin gab sich nach Behördenangaben als Touristin aus und gab bei den Polizisten im Stadtteil Sultanahmet auf Englisch vor, ihr Portemonnaie verloren zu haben. Dann zündete sie ihren Sprengsatz. In Sultanahmet im europäischen Teil Istanbuls liegen die Hagia Sophia und die Blaue Moschee, beide ziehen Jahr für Jahr Millionen Touristen an.

Die DHKP-C rechtfertigte die Tat ihrer »Märtyrerkämpferin« auf ihrer Internetseite als Aktion gegen die seit 2012 amtierende konservativ-islamische Regierung. Der Angriff habe stattgefunden, weil vier ehemalige Minister der Regierungspartei ihrer Strafe wegen Korruption entgangen seien, indem die Ermittlungen niedergeschlagen wurden.

Die Gruppe bezog sich außerdem auf den Tod von Berkin Elvan. »Nichts ist geschehen, um Berkin Gerechtigkeit widerfahren zu lassen«, hieß es. Der Junge war während der Gezi-Proteste auf dem Weg zum Bäcker von einer Tränengaskartusche der Polizei am Kopf getroffen worden und nach mehreren Monaten im Koma im März 2014 gestorben. Elvan wäre am vergangenen Wochenende 16 Jahre alt geworden.

Die Proteste gegen den damaligen Regierungs- und heutigen Staatschef Recep Tayyip Erdogan hatten sich Mai-Juni 2013 an Plänen entzündet, den kleinen Gezi-Park im Zentrum Istanbuls zu bebauen. Das harte Vorgehen der Polizei gegen Umweltaktivisten vor dem Park am zentralen Taksim-Platz löste Empörung aus und ließ die Proteste zu einer landesweiten Bewegung und zu einer ernsten Herausforderung für die Regierung anschwellen.

Erst am Neujahrstag hatte ein Mann zwei Granaten auf Polizisten geworfen, die vor dem ehemaligen Sultanspalast Dolmabahçe in Istanbul Wache hielten. Die Granaten explodierten jedoch nicht, niemand wurde verletzt. Der Mann wurde sofort festgenommen. Auch zu diesem Anschlagsversuch in der Nähe der Büros von Regierungschef Ahmet Davutoglu bekannte sich die DHKP-C. Von der Türkei, der Europäischen Union und den USA wird sie als Terrororganisation eingestuft.

»Wir werden weiter Widerstand leisten, kämpfen, zu den Waffen greifen und angreifen«, hieß es in der Erklärung der Gruppe vom Mittwoch. Im Februar 2013 hatte sich die DHKP-C zu einem mit Sprengstoff verübten Selbstmordattentat auf die US-Botschaft bekannt. Damals wurde ein Wachmann getötet.

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