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Der Hanseat im Rausch

Hamburgs LINKE warnt als einzige Bürgerschaftspartei vor einer Olympia-Bewerbung

  • Von Folke Havekost, Hamburg
  • Lesedauer: 3 Min.
Hamburgs LINKE fordert den Senat auf, sich konkret zu Kosten und Risiken einer Olympia-Bewerbung der Stadt für 2024 zu äußern. Parlamentarier befürchten eine »Elbphilharmonie des Sports«.

»Auch am Beginn der Elbphilharmonie standen Euphorie und Rausch«, blickte der Bürgerschaftsabgeordnete Norbert Hackbusch auf das Millionengrab in der HafenCity. Dass der Senat sich beharrlich weigere, über die Kosten Olympischer Spiele für Hamburg zu reden, lasse hierfür ähnliches befürchten.

»Wir wollen die Diskussion vom Rausch auf die Füße stellen«, erklärte Hackbusch bei einer Pressekonferenz am Donnerstag, auf der er auch eine Schätzung der LINKEN vorstellte. Demnach kämen auf die Stadt Kosten von wenigstens 7,3 Milliarden Euro zur Herstellung des Olympiageländes, weiterer Sportstätten sowie der nötigen Infrastruktur zu. »Die wichtigen Unterstützer von Olympia haben keine Ahnung von den Kosten, aber reden beruhigend auf uns ein«, bilanzierte der haushaltspolitische Sprecher der LINKEN-Fraktion: »Dass die Olympia-Debatte ohne konkrete Zahlen verläuft, ist unverschämt.«

»Olympia soll ein schönes, buntes Ereignis sein, das von den Kosten und der sozialen Spaltung ablenken soll«, mutmaßte die Bürgerschaftsabgeordnete Heike Sudmann. Die Stadtentwicklungsexpertin befürchtet auch, dass bei neuen Projekten die Bürgerbeteiligung ausgehebelt würde, da zwischen IOC-Entscheidung und Austragung nur sieben Jahre liegen. »Das olympische ›Schneller, höher, weiter‹ gilt dann auch in der Stadtentwicklung.«

Mehmet Yildiz, sportpolitischer Sprecher der LINKEN-Bürgerschaftsfraktion, warf der SPD-Alleinregierung »Täuschung und Hinhalterei« vor. Die von ihm mitverfasste Studie »NOlympia in Hamburg« spricht von den Spielen als »extrem risikoreich und kostspielig« und enthält als Forderung: »Was Hamburg braucht, sind Investitionen in den Breitensport und Sportförderprogramme für die Masse und kein 16-tägiges Mega-Event für die Wirtschaft, das Milliarden kostet und zulasten der Steuerzahler geht.« Am Mittwoch debattiert die Hamburger Bürgerschaft über einen LINKEN-Antrag an den Senat, ein Kostengutachten in Auftrag zu geben. »Wir haben eine andere Vorstellung davon, wie Hamburg sich entwickeln sollte«, sagte Hackbusch. Er erteilte dem mit Olympia - wie auch schon mit der Elbphilharmonie - verbundenen Konzept »weltweiter Leuchtkraft« der Hansestadt eine Absage: »Warum sollte die Stadt so werden wie London oder Paris, wo sich normale Menschen die Miete nicht mehr leisten können?« Der jüngsten Umfrage von infratest dimap zufolge befürworten 62 Prozent der Hamburger die Olympia-Bewerbung, 34 Prozent sprechen sich dagegen aus. Dies ist eine Momentaufnahme, jedoch keine gute Basis für ein Nein beim anvisierten Volksentscheid. Der soll nach derzeitigen Planungen bis Mitte September stattfinden, falls der Deutsche Olympische Sportbund sich am 21. März für Hamburg und gegen Berlin als deutschen Kandidaten für 2024 entscheidet.

Für Hamburgs LINKE sind die dimap-Zahlen jedoch durchaus günstig mit Blick auf die Bürgerschaftswahl am 15. Februar und in einen Wahlkampf, in dem die Partei als einzige Bürgerschaftspartei Nein zu Olympia sagt. Die regierende SPD ist gemäß dem offiziellen Slogan »Feuer und Flamme« für das Projekt, die CDU spricht von einer »Jahrhundertchance«, die FDP von enormen Profiten für die »Marke Hamburg«. Einzig die Grünen mahnen eine »faire und akzeptable Kostenteilung« zwischen Stadt, Bund, Wirtschaft und dem IOC an, sind aber grundsätzlich für die Spiele.

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