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Studenten bleiben verschwunden

Mexikos Staatsanwaltschaft bleibt bei ihrer Version, Angehörige suchen weiter

  • Von Gert Goertz, Mexiko-Stadt
  • Lesedauer: 3 Min.
Familienangehörige geben nicht auf: Die Suche nach den mexikanischen Studenten geht weiter. Die Staatsanwaltschaft sieht alle Ermittlungslinien erschöpft .

Im Dezember erwartete die mexikanische Regierung sehnlichst die Weihnachtsferien. Sie hoffte, das Thema der verschwundenen Lehramtsstudenten aus Ayotzinapa käme so endlich aus den Schlagzeilen. Doch die Rechnung ging offensichtlich nicht auf. Knapp vier Monate, nachdem organisiertes Verbrechen und Polizei der Stadt Iguala die Studenten attackierten, dabei sechs Personen töteten und 43 Studenten verschwinden ließen, halten die Proteste gegen das Vorgehen der Regierungsinstitutionen bei den Ermittlungen an. Vor allem im Bundesstaat Guerrero haben die Aktionen erneut an Intensität gewonnen. Für den 26. Januar wird zu einer weiteren Massendemonstration in Mexiko-Stadt aufgerufen.

Die Fronten sind klar. Die mexikanische Generalbundesstaatsanwaltschaft sieht alle Ermittlungslinien als erschöpft an. Sie hält an der Version fest, dass die Studenten auf einer Müllhalde in Igualas Nachbarkommune Cocula von Mitgliedern des Drogenkartells Guerreros Unidos (Vereinigte Krieger) umgebracht und komplett verbrannt wurden.

Fast 100 Personen sind inzwischen im Zusammenhang mit dem Verbrechen verhaftet worden. Darunter mehrere der mutmaßlich ausführenden Täter und das als Drahtzieher angesehene Bürgermeisterehepaar von Iguala.

Doch Glaubwürdigkeit genießen die Ermittlungsbehörden bei den Familienangehörigen nicht. Zudem gibt es Spekulationen, die auf der Geolokalisierung von Mobiltelefonen der Studenten beruhen. Danach könnten die Verschwundenen zumindest zeitweise auf dem Kasernengelände des in Iguala stationierten 27. Infanteriebataillons festgehalten worden sein.

Am 12. Januar gab es mehrere Verletzte bei einem Zusammenstoß von Militärs sowie Angehörigen und Kommilitonen der Verschwundenen vor dem Kasernentor. Jetzt sollen zumindest die Tore der Kaserne in Iguala für Angehörige und Vertreter der staatlichen Menschenrechtskommission geöffnet werden. Niemand rechnet aber mit neuen Erkenntnissen. Innenminister Osorio Chong sah sogar ein »Interesse, Falschwissen zu schaffen und unsere Armee und unsere nationalen Einsatzkräfte in die Geschehnisse von Iguala zu verwickeln«. Die Regierung weise das »kategorisch zurück«.

Eine in mehrere Gruppen aufgeteilte »Bürgerkarawane« setzte vergangene Woche die Suche nach den verschwundenen Studenten fort. Daran nehmen Familienangehörige, Mitstudenten, eine selbst organisierte Gemeindepolizei aus mehreren Landkreisen und einzelne Bürger teil. Die Suche begann in Iguala und soll auf andere Regionen im Bundesstaat Guerrero ausgedehnt werden. Die politische Devise lautet, nach Lebenden zu suchen, solange die Ermordung der Studenten nicht zweifelsfrei feststeht. Diese Suche führt nach wie vor zu weiteren geheimen Massengräbern in der Umgebung von Iguala. So zuletzt am Donnerstag vergangener Woche. »Höllenstadt Iguala« lautete ein Zeitungskommentar.

Die laut Listen der Staatsanwaltschaft Guerreros bei der Polizei von Iguala beschlagnahmten G 36-Gewehre des deutschen Rüstungsunternehmens Heckler & Koch (H & K) bleiben Thema. Nach den Bestimmungen der Exportgenehmigung hätten sie dort nie hinkommen dürfen. Auch aus G 36-Gewehren könnten in der Nacht vom 26. auf den 27. September Schüsse auf die Studenten abgegeben worden sein. Mexikos Außenminister José Antonio Meade, am Dienstag zum Kurzbesuch in Deutschland, versicherte dazu der dpa, er verfüge »über kein Element«, das ihm erlaube, die Beschlagnahme zu bestätigen. Angesichts der Liste ist dies kaum erklärlich.

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