Wintermonat mit Frühlingsluft

Die Gartenkolumne

  • Von Brigitte Müller, Hobbygärtnerin und Umweltautorin
  • Lesedauer: 3 Min.

Januar - der Wintermonat? Schaut man aufs Thermometer, könnte man meinen, ihn verschlafen zu haben. So früh im Jahr habe ich wohl noch nie die trockenen Reste von den Staudenbeeten geräumt. Selbst das Vogelgezwitscher klingt schon nach Frühling. Aber Winterlinge und Schneeglöckchen recken sich tapfer ins Licht, und sie locken vielleicht doch noch etwas Schnee und Frost hervor.

Nicht nur im Garten gibt es Verblüffendes zu entdecken: Gerade mal einen Monat vierte Jahreszeit - schon gucken Tulpen bereits fünf Zentimeter aus der Erde, bei Hyazinthen sind ebenfalls Knospen zu erkennen, und Scharbockskraut versucht sich im Teppichknüpfen.

Aber auch im Haus passieren seltsame Dinge. Zum Beispiel blühte unermüdlich eine kleine Fuchsie, die ich im Frühjahr umgepflanzt hatte. Bis zum Sommer sah es aus, als ob sie die Aktion nicht verkraften würde. Aber dann. Und im neuen Jahr hatte sie so viel Witz, dass sie dem neben ihr stehenden Elefantenbaum eine Blüte schenkte, die kopfüber tagelang dort thronte. Knospen seiner eigenen Blütensterne konnte ich dagegen leider noch nicht entdecken. Ob seine Nachbarin ihn deshalb trösten wollte?

Die im Winterquartier inzwischen blattlosen Kolleginnen besagter Fuchsie bekommen dann im Lenz ihren üblichen Schnitt und eine Schicht Kompost auf die Füße, damit sie wieder kräftig in ihre Blütensaison starten.

Im Garten können wir jetzt schon zur Schere greifen, um verschiedene Gehölze kräftig zu kürzen, damit sie wieder üppigen Blütenflor entwickeln; Sommerflieder, Hibiskus, Säckelblume, Spiersträucher, Hortensien, Ranunkel, Lavendel blühen an den diesjährigen Trieben. Werden sie bis zur Hälfte oder sogar zwei Drittel zurückgeschnitten, entwickeln sie um so größere Blüten.

Den Schmetterlingsstrauch hatte ich schon Ende des Jahres eingekürzt, und seitdem schmückt er sich mit silbergrauen Blättchen, so dass er fast wie ein immergrünes Gewächs wirkt.

Gartengestaltung mit der Schere ist für viele Hobbygärtner nicht die einfachste Übung (und nicht nur für sie, wie man bei so manchem verstümmelten Baum im öffentlichen Raum sehen muss). Besonders dann nicht, wenn Gehölze nach Lust und Laune wachsen durften, und dann »plötzlich« zu groß geworden sind. Wer einfach mal mit der Säge nur ein paar Äste entfernt, ohne sich um das Typische der jeweiligen Art zu kümmern, kann ziemlich schnell unzufrieden mit seinem Tun werden.

Viel hilft schon, wenn wir uns den zu groß Geratenen immer wieder von allen Seiten betrachten und dann erst den wirklich störenden Überwuchs Ast für Ast nach und nach (zwischendurch immer wieder gucken!) entfernen. Auch der Blick auf die Nachbarschaft rund um den Schnittkandidaten ist angebracht. Manchmal hilft eine Umgestaltung des Bewuchses unter dem Schnittkandidaten, so dass wieder eine harmonische Gemeinschaft entstehen kann.

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