Traurige Realsatire

Andreas Fritsche über das matte Abbild von Pegida in Brandenburg

Angeblich artikuliert Pegida Sorgen der Menschen, die von der Politik vernachlässigt worden sind. Allenthalben soll dieses Problem nun ernst genommen werden. Der Versuch vom Montagabend, einen Pegida-Spaziergang in Brandenburg/Havel zu etablieren, kann jedoch schwer für voll genommen werden. Das war traurige Realsatire. Eine ungenießbare Mixtur wurde da angerührt. Die Zutaten: Deutschtümelei, Geschimpfe über Rundfunkgebührenabzocke, oberflächlicher Antiamerikanismus und falsch verstandene Freundschaft zu Russland. Unzufriedenheit mit den sozialen Verhältnissen, Kritik am Imperialismus der USA und die Sehnsucht nach Frieden sind berechtigt. Pegida-Märsche sind jedoch kein geeignetes Umfeld, damit an die Öffentlichkeit zu treten.

Zwar gibt es auch im Land Brandenburg alltäglichen Rassismus und dumpfe Stimmungen im Volk. Sie werden Pegida aber nicht stark machen. Denn hier sind es politische Sekten mit absurdem Sendungsbewusstsein, die sich vergeblich bemühen, den Nerv der Bevölkerung zu treffen. Die einfachen Leute ärgern sich über umgeleitete Busse, unterbrochene Straßenbahnlinien, den Krach und die Aufregung - und gehen in gebührendem Abstand zu Fuß nach Hause.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung