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Griechische Wahl als Motivationsschub

Linksfront in Frankreich bemüht sich um Verbündete Hollande will zwischen Athen und Brüssel vermitteln

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 2 Min.
Der Wahlsieg von SYRIZA hat in Frankreich die Kräfte links der regierenden Sozialisten beflügelt und ihre Überzeugung gestärkt, dass eine solche Entwicklung auch in Frankreich möglich ist.

»Diese Welle, die um die Welt geht und in einigen Ländern Südamerikas schon den Weltwährungsfonds und sein Diktat vertreiben konnte, hat jetzt Europa erreicht«, analysiert der französische Linksfront-Politiker Jean-Luc Mélenchon den Wahlsieg von SYRIZA. »Das ist eine Ermutigung für uns und eine Chance für Europa, einen neuen Weg zu finden, weg von der Austeritätspolitik, an der Leute wie Angela Merkel hängen.« Für die Schulden Griechenlands sei ein Moratorium unabdingbar, ist Mélenchon überzeugt und erinnert daran, dass die Alliierten 1953 der Bundesrepublik alle Altschulden strichen, weil man sie als Bündnispartner brauchte.

»Das griechische Volk hat sich nicht einschüchtern lassen und mit dieser Wahl seine Würde, seinen Stolz sowie seine Kraft zum Ausdruck gebracht und seine Souveränität verteidigt«, betont wiederum Pierre Laurent, Nationalsekretär der Kommunistischen Partei (PCF). Nach Athen sei nun Madrid an der Reihe und dann Paris, glaubt Mélenchon. Diese Meinung teilt Laurent, will sich aber auf keine Zeiträume festlegen. Durch den Sieg von SYRIZA, der Partei, die vor wenigen Jahren erst fünf Prozent der Griechen hinter sich versammeln konnte, fühlt sich die französische Linksfront aus Kommunisten und Partei der Linken bestärkt in ihrem Streben, möglichst viele der Kräfte links von der Sozialistischen Partei (PS) zusammenzuführen, um auch in Frankreich einen entsprechenden Paradigmenwechsel zu erzwingen.

Als Erfolg auf diesem Weg wurde vor einer Woche ein Meeting in Paris zur Unterstützung von SYRIZA gewertet, an dem demonstrativ prominente Grünen-Politiker und linke »Dissidenten« aus der Parlamentsfraktion der PS teilnahmen. Die Regierungspartei selbst betreibt dagegen Schadensbegrenzung - ihr griechischer Partner PASOK hatte mit knapp fünf Prozent der Stimmen einen Denkzettel für die wirtschaftsliberale Politik der vergangenen Jahre bekommen. »Es freut uns immer, wenn eine linke Partei gewinnt«, erklärte der PS-Vorsitzende Jean-Christophe Cambadelis.

PS-Präsident François Hollande bekundete seinen Respekt vor dem Votum der Griechen. Er hält einen Austritt des Landes aus der Eurozone für ausgeschlossen und will das ihm zugeschriebene Talent als Vermittler einsetzen, um einen Kompromiss zwischen den radikalen Forderungen der neuen Regierung in Athen und den Hardlinern in Brüssel, Berlin und anderen europäischen Hauptstädten auszuhandeln. Sein Freund Julien Dray, Vizepräsident der Region Île-de-France, spricht aus, was der Präsident möglicherweise denkt: »Ein Übergreifen des Feuers nach Frankreich ist wenig wahrscheinlich und die Linksfront-Anhänger werden bald enttäuscht sein, denn Alexis Tsipras ist viel mehr Sozialdemokrat als Jean-Luc Mélenchon.«

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