Die (Leih)-Räder drehen sich weiter

Der Senat sucht einen neuen Betreiber für den öffentlichen Fahrradservice

Der Vertrag mit der Deutschen Bahn über das Call-a-Bike-System ist ausgelaufen. Die Bahn will aber auf jeden Fall weitermachen.

Viel zu tun gibt es derzeit in der Kreuzberger Werkstatt, in der die Mietfahrräder der Deutschen Bahn (DB) gewartet werden. In der Wintersaison müssen alle 1650 Bikes mit dem auffälligen rot-silbergrauen Design zur »großen Durchsicht«, wie Werkstattleiter Bernd Rother sagt. »Kette, Schaltung, Licht - alles wird kontrolliert und gegebenenfalls repariert.« Pro Woche schaffen die 16 DB-Mitarbeiter etwa 100 Räder. 1400 sind stehen weiterhin täglich an den Ausleihstationen innerhalb des S-Bahn-Rings zur Verfügung.

Seit 2002 gibt es das DB-Mietradsystem »Call a Bike« in Berlin. Seit 2013 zahlt der Senat dafür auch einen Zuschuss von jährlich 900 000 Euro. Damit konnte das System stark ausgebaut werden. Standen 2011 noch 1250 Räder an 80 Stationen zur Verfügung, sind es jetzt 400 mehr an 153 Stationen. Doch der Vertrag des Senats mit der Bahn ist Ende des vergangenen Jahres ausgelaufen, jetzt wird ein neuer Betreiber für ein öffentliches Mietradsystem gesucht. Laut Ausschreibung ist das Verfahren auf fünf Bewerber beschränkt, der Sieger erhält einen Zuschuss von sieben Millionen Euro, aufgeteilt auf fünf Jahre. Damit soll er mindestens 175 Stationen mit 1750 Rädern betreiben. Damit wird es also kein Zurück zum einstigen System geben, als die Räder überall in der Innenstadt entliehen und auch wieder abgestellt werden konnten.

Ziel des Landes ist »ein kostengünstiges, dichtes, benutzerfreundliches System mit minimalen Zugangshürden«, heißt es im Ausschreibungstext. Hauptzielgruppe seien die Berliner, die innerhalb des S-Bahn-Rings kurze Distanzen mit dem Rad zurücklegen und das Leihfahrrad mit dem öffentlichen Nahverkehr kombinieren. Aber auch Besucher dürfen durch die Stadt strampeln. Der Vertrag soll fünf Jahre gelten, bei entsprechender Nachfrage ist eine Verlängerung um drei Jahre möglich.

Die Bahn beteiligt sich an der Ausschreibung. Aber auch wenn sie den Zuschlag nicht bekommt, werde es Call a Bike weiter geben, sagt Bahnsprecherin Susan Saß. »Das ist für uns auch ein Imagefaktor«, antwortet sie auf die Frage, ob sich das rechnet. Und außerdem habe man die Rad-Flotte zehn Jahre lang ohne Zuschuss betrieben.

In diesem Jahr will die Bahn die Zahl ihrer Ausleihstationen auf 160 steigern. Besonders Moabit ist in Sachen Call a Bike noch Niemandsland. Diese Lücke soll jetzt geschlossen werden, in Prenzlauer Berg könnten auch außerhalb des S-Bahn-Rings Stationen angelegt werden. Ansonsten wolle man aber nicht über die Innenstadt hinauswachsen. »Außerhalb des Rings fahren die Menschen meist mit dem eigenen Rad zur S- oder U-Bahn-Station und steigen dann um«, so Saß.

Dass künftig auch Elektrobikes ausgeliehen werden können, ist eher nicht zu erwarten. Dafür bestehe kein Bedarf, Berlin sei schließlich Flachland, sagt Saß. Außerdem müsste dann eine Ladeinfrastruktur aufgebaut werden, was die Sache unwirtschaftlich mache. Vom Senat würde dies auch nicht gefördert.

Die Berliner fahren mittlerweile auch ohne elektrische Unterstützung auf das Mietsystem ab. In den vergangenen vier Jahren stieg die Zahl der registrierten Kunden von 58 000 auf 89 000, die Zahl der Fahrten von 198 000 auf 339 000. Wer auf das Mietrad umsteigen will, muss sich einmal registrieren lassen und hat dann die Wahl zwischen zwei Preismodellen: Beim Pauschaltarif für 48 Euro (Bahncard-Kunden 36, Studenten 24 Euro)sind die ersten 30 Minuten jeder Fahrt kostenlos, danach zahlt man acht Cent pro Minute. Ohne Pauschale werden die acht Cent sofort fällig. Pro Tag müssen maximal 15 Euro gezahlt werden (mit Bahncard und Studenten neun Euro).

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