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Tonspuren der Köpenicker Blutwoche

Audiorundgang als zeitgemäße historische Aufarbeitung

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Ein neuer Audiowalk zur Köpenicker Blutwoche führt Interessierte zu Plätzen der nationalsozialistischen Gräueltaten im Bezirk.

Wer heute durch das sogenannte Märchenviertel nördlich des S-Bahnhofes Köpenick geht, findet neben Straßen, die nach Schneewittchen, Dornröschen oder Frau Holle benannt sind, auch einige, die so gar nicht in diese Märchenwelt passen. Der Stellingdamm, der gleich hinter dem S-Bahnhof beginnt, erinnert an den ehemaligen Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Schwerin, Johann Stelling (SPD), die Schmausstraße an Johann Schmaus und dessen Sohn Anton, der in Notwehr drei SA-Leute niedergeschossen hatte, der Essenplatz an das Reichsbannermitglied Paul von Essen. Ihnen allen ist gemeinsam: Sie lebten hier und waren Opfer der »Köpenicker Blutwoche«, als die SA im Juni 1933 in einer beispiellosen Gewaltorgie hunderte Menschen, Sozialdemokraten, Kommunisten, Gewerkschafter, Juden , Christen und andere politisch Missliebige verschleppte und brutal folterte. Mindestens 24 von ihnen überlebten die Gräueltaten nicht.

Auf ihre Spuren und auf die Spuren der Täter und deren Folterhöllen begibt sich ein Audiowalk »(Ton)-spuren der Gewalt« zur »Köpenicker Blutwoche« 1933. Mit einem Smartphone plus Kopfhörer werden Interessierte über 16 »Hörblasen« vom S-Bahnhof Köpenick bis zum Endpunkt auf dem Platz des 23. April, wo eine übergroße Faust an die Opfer der Blutwoche erinnert, akustisch begleitet. Sie hören dabei Geschichten aus dem Leben der Ermordeten und deren Familien. Aber auch noch lebende Angehörige sowie Historiker kommen zu Wort.

Die Tour führt auch zum Mandrellaplatz/Ecke Puchanstraße, wo sich das ehemalige Amtsgerichtsgefängnis und die spätere SA-Leitstelle befand und wohin die in SA-Sturmlokalen halb tot geprügeltem Menschen dann überstellt und ermordet wurden.

Yves Müller, von der »Gedenkstätte Köpenicker Blutwoche«, der das Projekt einer zeitgemäßen historischen Aufarbeitung der Ereignisse von 1933 geleitet hat, sieht eine der Möglichkeiten des Audiowalks darin, auch den jungen Menschen den Zugang zur noch gar nicht mal so lange zurückliegenden Geschichte mit heutige Mitteln zu ermöglichen. Ein weiterer Aspekt sei, dass auch bisher vernachlässigte Seiten der Geschichte der »Köpenicker Blutwochen« beleuchtet werden. Der Audiowalk wird, so kündigte er an, im Rahmen einer Veranstaltung auch der allgemeinen Öffentlichkeit vorgestellt.

Am Dienstag gedachte die Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick, das Bezirksamt, die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und der Bund der Antifaschisten mit einer Kranzniederlegung am Platz des 23. April an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz und alle Opfer des Nationalsozialismus, wie der »Köpenicker Blutwoche«. Um 12.00 Uhr waren die Bürger zu einer Schweigeminute aufgerufen.

www.gedenkstaette-koepenicker-blutwoche.org/audiowalk

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