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Dürre bedroht den Karneval

Brasilianische Städte leiden unter Wassermangel

  • Von Regine Reibling, Quito
  • Lesedauer: 2 Min.
Brasilien ohne Samba und leidenschaftlichen Karneval ist kaum vorstellbar. Doch aufgrund der anhaltenden Dürre haben einige Städte ihre Paraden schon abgesagt.

Monatelang haben die Tanzschulen des Landes für ihren großen Auftritt am Karnevalswochenende geprobt. Karneval ist das größte Fest in Brasilien, steht für Leidenschaft und Lebensfreude - nicht nur in der Sambahochburg Rio de Janeiro. Doch die Dürre im Südwesten Brasiliens hat viele Auftritte zunichte gemacht. Mindestens 30 Städte und Gemeinden, vor allem in den Bundesstaaten São Paulo und Minas Gerais, haben ihre Karnevalsparaden wegen Wassermangels abgesagt, wie »Brasil Economico« berichtete.

So wie in Araras, einer 120 000- Einwohner-Stadt nahe São Paulo. »Wir haben die Karnevalsparade abgesagt, damit keine Touristen in die Stadt kommen«, so Kulturbeauftragter Marcelo Daniel. Die Kleinstadt Oliveira (Minas Gerais) habe diese Entscheidung schweren Herzens getroffen, sagte Bürgermeister Antonio Penido. »In der Geschichte unserer Stadt ist so etwas noch nie passiert.«

Es ist die schlimmste Dürre seit acht Jahrzehnten, vor allem der Südwesten ist betroffen. Laut Nationaler Wasseragentur leiden 20 Prozent der Bevölkerung unter der Wassernot. Seit Monaten hat es nicht ausreichend geregnet. Die Millionenmetropole São Paulo könnte bald ganz auf dem Trockenen sitzen. Wasser wird rationiert. Hinzu kommen Stromausfälle. Knapp 70 Prozent der Elektrizität werden in Brasilien aus Wasserkraft gewonnen.

Auch in Rio de Janeiro wird das Wasser knapp. Wie im Bundesstaat São Paulo mussten bereits die »toten Reserven« angezapft werden. Die Karnevalsparaden ganz abzusagen - daran denkt in der Karnevalshochburg niemand. Die Trinkwasserzufuhr sei gesichert, versicherte Jorge Briard, Präsident des zuständigen Wasserversorgungsunternehmens in Rio de Janeiro in der vergangenen Woche. Eine Rationierung soll es nicht geben - zumindest nicht am verlängerten Karnevalswochenende.

Allerdings müssen die Sambaschulen einige Einschränkungen hinnehmen. Statt der traditionellen Wasserspritze - eine willkommene Abkühlung bei Temperaturen um 35 Grad - setzen sie in diesem Jahr auf Licht- und Raucheffekte. Hotels und Restaurants in Rio de Janeiro wappnen sich gegen den gefürchteten Wassermangel. Die Verbände des Hotel- und Gaststättengewerbes forderten ihre Mitglieder auf, schon im Vorfeld Wasser zu lagern, wie die Zeitung »O Globo« berichtete. In diesem Jahr werden rund eine Million Besucher erwartet. In den letzten Tagen hat sich die Situation etwas entspannt, es fiel der erste Regen seit Monaten. Noch mehr Niederschlag wünscht sich die Politikerin Ideli Salvatti, und macht einen Vorschlag: Die Hymne für den diesjährigen Karneval müsste heißen: »Trinkt darauf, dass es drei Tage ohne Pause regnet.«

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