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Im grünen Himmel

Retrospektive: Glorious Technicolor

  • Von Caroline M. Buck
  • Lesedauer: 4 Min.

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Es ist eine Party zum 100. Geburtstag, die Kinemathek und Berlinale dem Technicolor-Farbverfahren ausrichten. Das wurde von Herbert T. Kalmus 1915 entwickelt und vermarktet, auch wenn es noch rund zwei Jahrzehnte dauern sollte, bis es marktbeherrschend wurde. Es gab Vorläufer und Konkurrenz, das Verfahren war umständlich und teuer und konnte zunächst nicht das ganze Farbspektrum abbilden. Blau blieb im Zwei-Farben-Verfahren der frühen Jahre ein unlösbares Problem, der Himmel und Wasserflächen grünlich. Erst Technicolor IV (ab 1932) mit seinem verbesserten Drei-Farben-Verfahren änderte das. Von 1935 bis in die Mitte der 50er Jahre dauerte die Blütezeit der Firma, dann machte der Eastman Color Farbnegativfilm das schwerfällige Verfahren obsolet.

25 US-Filme und sechs britische Produktionen enthält die Retrospektive, zwei davon, die Stummfilme »The Toll of the Sea« (Chester M. Franklin, USA 1922) und »Redskin« (Victor Schertzinger, USA 1929), noch im Zwei-Farben-Verfahren gedreht, alle anderen im relativ naturnäheren Technicolor IV. Die Idee zur Reihe und viele der Kopien stammen aus dem Archiv des George Eastman House - was man durchaus ironisch nennen darf. Außerdem ist das österreichische Filmmuseum an der Filmschau beteiligt, das die Reihe im April nachspielen wird, und, wie schon in den beiden Vorjahren, das New Yorker Museum of Modern Art.

»Die hat ja rote Haare!« - so warb Technicolor (zu einem Farbfoto der Schauspielerin Nancy Carroll) für die überraschenden neuen Schauwerte, die ein »echter« Farbfilm mit sich brachte - im Unterschied zu den meist nachträglich applizierten Farben in den Filmen früherer Jahre. Und während man heute oft den Eindruck hat, ein in Technicolor gedrehter Film mit seinen verfahrensbedingt dichten, gesättigten Farben sei vor allem eben das: ein Technicolor-Film, legte die Firma selbst unter ihrer diktatorischen Farbberaterin Natalie Kalmus (Ex-Frau von Herbert T. und ein Feindbild mancher Kameramänner, denen sie bei Lichtsetzung und Farbgestaltung hereinredete) Wert darauf, dass das Hauptaugenmerk nicht auf der Farbe, sondern auf der narrativen Kohärenz lag.

Als Beispiel dafür, wie es also auch gehen konnte, dienen in der Retrospektive einige der britischen Filme wie »Wings of the Morning« (Zigeunerprinzessin, Harold D. Schuster, 1936) und Western wie »Naked Spur« (Nackte Gewalt, Anthony Mann, 1953), die zeitlich wohl nicht zufällig mit der Entwicklung des Farbnegativfilms zusammenfallen. Meist aber ist die Farbe ein unmittelbar ins Auge fallendes Gestaltungselement. Sie kann als Unterscheidungsmerkmal dienen wie in »Ivanhoe« (Richard Thorpe, USA, 1952) nach Sir Walter Scott, wo die ortsfremde Obrigkeit mit ihren pfauenhaften Farben und Ornamenten sich gegen die bodenständigen Angelsachsen in ihren Wald- und Erdfarben (Robin Hood!) abhebt wie der Fremdkörper, als der sie von vielen empfunden werden.

Oder sie kann Leidenschaft ins Bild setzen, wie in mehreren Filmen der Retrospektive, allen voran King Vidors »Duel in the Sun« (USA, 1946), von Produzenten-Legende David O. Selznick mit seiner Frau Jennifer Jones (und Gregory Peck als Partner) besetzt, der Geschichte einer Hassliebe, die mit einer Vergewaltigung beginnt und im Kugelhagel endet. Und wer könnte, wenn schon von David O. Selznick die Rede ist, den flammend orangeroten Sonnenuntergang vergessen, vor dem Rhett Butler Scarlett O’Hara im Kuss niederringt, in »Vom Winde verweht« (1939)? Ein Film der den Siegeszug von Technicolor absolut machte - und zugleich alle Ressourcen beanspruchte: beim Dreh der legendären »Brand von Atlanta«-Szene kamen alle sieben Kameras zugleich zum Einsatz.

Auch Walt Disney war ein früher Vertragspartner von Technicolor (in der Retro zu sehen: »Schneewittchen und die sieben Zwerge« und ein Kurzfilm aus den »Silly Symphonies«), das Musical konnte sich an Technicolor gar nicht sattsehen (ein Blick auf Marilyn Monroe in Hot Pink vor quietschrotem Hintergrund in »Blondinen bevorzugt« beweist, warum), und auch John Fords Lieblingswesterndrehort sah nie schöner aus als im flammenden Rotbraun von »She Wore a Yellow Ribbon« (Der Teufelshauptmann, USA 1949). Das Katalogbuch zur Reihe ist ein entsprechend farbenprächtiges, wirklich opulent bebildertes Sachbuch, informativ geschrieben, mit vielen englischsprachigen Zitaten und mit kundigen Einführungen in Technik, Entwicklung, Anwendung, Interpretation und Restaurierung von Technicolor.

Connie Betz, Rainer Rother, Annika Schaefer (Hg.): Glorious Technicolor. Bertz + Fischer, Berlin. 180 Seiten, 178 Fotos. 25 €

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