Von Ralf Isermann, München

Der trampende Roboter

hitchBOT startet seine Tour durch Deutschland

Normalerweise sollen Roboter den Menschen helfen - in dem Fall ist es umgedreht. hitchBOT ist auf seinem Weg durch die Welt auf menschliche Hilfe angewiesen.

Solch einen Ratschlag für eine Reise bekommt wohl nur ein trampender Roboter mit auf den Weg: »Bitte zerlegen Sie mich nicht!«, solle er deutschen Autofahrern sagen, die ihn mitnehmen, schrieb ein Nutzer auf der Facebook-Seite von hitchBOT. Der Roboter, der 2014 bei einer 6000-Kilometer-Reise durch Kanada Millionen Fans fand, startet am Freitag eine Rundreise durch Deutschland.

Feindseligkeiten - etwa von Autofahrern, die den Schraubenschlüssel zücken und sich das Innere des High-Tech-Trampers angucken - dürften ihm kaum begegnen. Bislang erntet der mit angenehmer Stimme und bunten Gummistiefeln ausgestattete Roboter nur Zuspruch. Auch die Organisatoren seiner Reise sind sicher, dass er nur Positives erleben wird.

Gegen 19 Uhr soll hitchBOT am Freitag seinen Trip an der A 96 bei Unterföhring beginnen. Ein Startort, den ein Tramper aus Fleisch und Blut angesichts der geringen Aussicht auf Erfolg wohl nur in der größten Not wählen würde. Doch die hitchBOT-Reiseplaner sind sicher, dass hitchBOT nur wenige Augenblicke auf ein Auto wird warten müssen.

In vielen Radiointerviews hat sich hitchBOT schon zu Wort gemeldet. Ja, der Roboter kann Interviews geben. Zwei Erfinder von der Ryerson University in Toronto - darunter die Deutsche Frauke Zeller - haben ihm zwar nicht die Fähigkeit zum Laufen gegeben. Dafür ist er aber sprachlich äußerst fit. Wer hitchBOT mitnimmt, kann sich auf breite Gesprächsthemen gefasst machen. »Ich kann es kaum erwarten, mich mit Euch auf Deutsch zu unterhalten, z. B. über den Kölner Karneval«, heißt es in einer Twitter-Kurznachricht von hitchBOT.

Für seine neuntägige Deutschlandreise bekommt der Roboter die Ziele vorgegeben. Zuerst soll er seinen gelben Gummidaumen raushalten und sich zum Schloss Neuschwanstein fahren lassen. Dort muss er einen kräftigen Fahrer finden, der seinen knapp acht Kilo schweren Körper in den Thronsaal schleppt. Von Neuschwanstein geht es nach Köln, wo er es beim Rosenmontagszug auf einen Wagen schaffen soll. Auch ein Selfie mit einem Spieler der Fußball-Weltmeisterelf und ein Besuch auf Sylt stehen auf seinem Aufgabenzettel.

Was das Ganze soll? Die Erfinder wollen den gesellschaftlichen Umgang mit Robotern vorantreiben. Beim Start des Projekts im vergangenen Jahr sagte Zeller, die Wissenschaftler wollten die Technologie-Angst umdrehen und fragen: »Können Roboter Menschen trauen?« AFP

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