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Sprudelnde Quellen gesucht

Sanierung des Mosaikbrunnens in Mitte wird teuer

Im Garten des ehemaligen Staatsratsgebäudes, das heute von der European School of Management and Technology genutzt wird (ESMT), liegt ein Brunnenmosaik brach. Der Brunnen, auch als »Seerosenbrunnen« bekannt, ist ein Gartendenkmal. Für »Kunst am Bau« wurde in der DDR ein Prozent der Bausumme ausgegeben. Noch immer werden Perlen dieser Kunstform im öffentlichen Raum entdeckt und wiederbelebt.

Lange wurde angenommen, dass das 16 mal zehn Meter große Becken, ebenso wie das Glasfenster im Innern des denkmalgeschützten Hauses, ein Womacka-Entwurf sei. Der Künstler selbst dementierte dies zu Lebzeiten. Das Mosaik wurde 1963 von Gudrun Lerch in sehr abstrakter Formensprache entworfen. Lerch arbeitete damals im VEB Stuna (VEB Stuck und Naturstein Berlin). Gudrun Lerch entwarf außerdem ein Mosaik an einer Kita in Köpenick sowie ein Wandbild an einer Spielhütte am Arnimplatz, das nicht mehr existiert. Bekannt war auch ihr Mosaik am Brunnen des FEZ von 1979. Durch Frostverwitterung waren auch dort große Schäden entstanden, die mehrmals restauriert wurden. Mittlerweile ist das Kunstwerk zerstört.

2014 begannen Mitarbeiter der ESMT mit einer bauhistorischen Forschung zur Brunnenanlage. Eine Teilrestaurierung des Brunnens gab es bereits 1996. Die Regierung hatte das Haus als Sitz für das Kanzleramt ins Auge gefasst und in diesem Rahmen ist der Brunnen schon einmal überholt worden. Zwischen 1999 und 2001 nutzte Gerhard Schröder das Haus als Zwischensitz. Die technischen Anlagen für den Brunnen sind in einem erstaunlich guten Zustand.

350 000 Euro soll die Brunnensanierung kosten. Dieser Schätzung liegen vor allem viele Arbeitsstunden zugrunde, in denen die kleinen Mosaiksteine geordnet, geklebt und am Ende auch witterungsbeständig versiegelt werden müssen. Der Spendenaufruf kam am 6. Oktober vergangenen Jahres zum 50. Jahrestag in Gang. Seither ist erst ein kleiner Teil der benötigten Summe zusammengekommen. »Wir sind uns bewusst, dass wir ein besonderes Gebäude nutzen dürfen«, sagt Georg Garlich, einer der beiden Geschäftsführer der ESMT. Über eigene Mittel zur Restaurierung des Brunnens verfüge man jedoch nicht. »Da wir Projekte, wie die Restaurierung des historischen Brunnens, als sehr wichtig betrachten, setzen wir uns für eine Finanzierung durch Spenden ein.«

An jedem letzten Freitag im Monat findet eine öffentliche Führung durch das Haus statt. Die Nachfrage sei sehr groß, bestätigt Fabian Steinecke von der ESMT. »Vor allem interessieren sich die vorwiegend deutschen Touristen für das Glasbild von Walter Womacka.« Garten und Brunnen sind öffentlich zugänglich, täglich zwischen 6 Uhr und 22 Uhr.

20 Euro ist der kleinste Spendenbetrag, er entspricht symbolisch einigen farbigen Mosaiksteinen, die heute von einer kleinen Firma in Reichenbach hergestellt werden. Die Firma, die aus dem VEB Reichenbacher Farbglaswerk hervorgegangen ist, produzierte zu DDR-Zeiten die Glasabschirmung für Straßenampeln und Linsen für die Technik.

www.esmt.org

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