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Der »Rockstar« Netanjahu

Israels Premier zeigte sich untröstlich, dass man seinen Kongressauftritt politisch deutet

Die Netanjahu-Rede im US-amerikanischen Kongress trug eindeutig Wahlkampf-Charakter. Zumindest am Dienstagabend durfte der israelische Ministerpräsident in den erhofften Ovationen baden.

Benjamin Netanjahu hat am Dienstagabend in seiner Rede vor beiden Kammern des US-amerikanischen Kongresses erneut sein Talent als Entertainer und Showmaster bewiesen, wie es die Massen lieben, zumindest jene, die Politveranstaltungen in US-Fernsehsendern bevorzugen. Wer die Rede des israelischen Ministerpräsidenten verfolgte, dem fiel auf, dass es ihm auf dreierlei ankam: Erstens sollte allen eingepaukt werden, dass der iranische Staat der Rückhalt allen Terrors im Nahen und Mittleren Osten ist, eine tödliche und unmittelbare Bedrohung für die Existenz Israels, weil er schon jetzt die Hand an der eigenen halb fertigen Atombombe hat und deshalb niemals ein Abkommen mit ihm abgeschlossen werden darf.

Zweitens: Sieht man nach Israel und damit zum Hauptbollwerk für Demokratie und gegen Terrorismus in der Region, gibt es dort nur eine erprobte und zuverlässige strategische Kraft - nämlich Benjamin Netanjahu. Auch - oder vor allem? - der ihn von links angreifenden israelischen Opposition sei es einfach nicht zuzutrauen, dass sie die erforderlichen militärischen Notwendigkeiten gegen Teheran erkennt und mit aller Konsequenz entsprechend handelt. Damit jedoch hatte Netanjahu nicht mehr alle Kongressmitglieder auf seiner Seite.

Noch weniger waren es naturgemäß bei seiner dritten verfolgten Absicht: Obwohl es selbstverständlich mit Netanjahus Worten nicht eindeutig belegbar war, begriffen die anwesenden Demokraten sehr wohl, dass hier unterschwellig auch Wahlkampf für ihre Gegner, die Republikaner, stattfand. Zwar befinden sich im Lager der Demokraten sehr viele »Falken«, die extrem antiiranisch und pro Netanjahu eingestellt sind. Aber Präsident Barack Obama, der Demokrat, hat sich trotz Netanjahus notorischer Quengelei dafür entschieden, die 5+1-Verhandlungen mit Iran weiterzuführen, und damit gegen die sofortige Anwendung des von Israel geforderten großen Knüppels.

Dennoch feierten ihn am Ende alle wie einen Rockstar. Es wäre nicht Netanjahu, hätte er es bei diesen Kostproben seines dramatischen Talents belassen. Der Premier zeigte sich geradezu untröstlich, als er mit dem Vorwurf konfrontiert wurde, er habe hier doch - israelischen - Wahlkampf betrieben; und weil sich Obama in diesem neutral verhalten wolle, sei er gegen diesen Auftritt im Kongress gewesen. Netanjahus Rede sollte keineswegs politisch sein, zitiert dpa seine Beteuerungen. Er bedaure, dass einige seinen Auftritt vor dem US-Kongress als politisches Manöver aufgefasst hatten: »Das war nie meine Absicht«. Entrüstung schwang dabei in seiner Stimme mit.

»Zynische Israelis könnten das Gefühl haben, schon alles gesehen zu haben - vor allem während des Wahlkampfs«, kommentierte »Haaretz« aus Israel. Netanjahu machte keine Lösungsvorschläge zu den Verhandlungen über die iranische Atomproduktion. Trotzdem forderte er, Teheran müsse im Zuge eines Atomabkommens alle Komponenten für die Urananreicherung aufgeben. Die US-Regierung hält dieses Ziel erklärtermaßen für unrealistisch und nicht durchsetzbar. Zu den eigenen Atomwaffen von Netanjahu wie immer kein Wort.

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