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Sieben Tage, sieben Nächte

  • Von Regina Stötzel
  • Lesedauer: 2 Min.

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Als sich etwa Olaf Scholz kürzlich bei seinen Hamburger »Wählerinnen und Wählern« bedankte, waren die heruntergeleierten Wortendungen nur zu erahnen. Wäre ja seltsam, wenn er zweimal dasselbe sagen würde. Und immerhin gehört es in weiten Teilen der Öffentlichkeit inzwischen zum guten Ton, jenseits von »Meine Damen und Herren« zwei Geschlechter anzusprechen. Nur wird es manchmal undeutlich im Eifer des Gefechts.

Die gedruckte Sprache hat es einfacher und auch wieder nicht. Das Auge sieht alles, aber es ermüdet schnell, liest es ständig von von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, Täterinnen und Tätern, Demonstrantinnen und Demonstranten. Modernere Varianten wie »MitarbeiterInnen«, »Mitarbeiter_innen« oder »Mitarbeiter/innen« sind kürzer, aber unansehnlich. Geschlechtsneutrale Ausdrücke wie »Studierende« sind umstritten. »Professx«, wie es »Linguistx« Lann Hornscheidt als Titel für sich kreierte, ist originell, sieht aber nach Druckfehler aus. Und dass Frauen etwa zu »weißen ableisierten CisFrauen« oder gar »Frauisierten« werden, ist außerhalb akademischer Kreise schwer vermittelbar.

Zwar behauptet kaum noch jemand, mit der nach wie vor üblichen männlichen Schreibweise seien selbstverständlich alle gemeint. Das ist leider nicht so - müsste doch dann etwa »die Ärzte und ihre Männer« ebenso natürlich klingen wie »die Ärzte und ihre Frauen«. Frauen, die es nicht anders gewohnt sind, als sich selbst als »Fotograf« oder »Direktor« zu bezeichnen, dürfte die gegenderte (auch kein schönes Wort) Sprache ebenso verstören wie Ästhetinnen und Ästheten, die auch bei Wortschöpfungen der Werbeindustrie sowie krummen Metaphern körperliche Schmerzen verspüren. Allerdings werden Frauen und Männer, die sich für eine geschlechtsneutrale Sprache einsetzen, nicht nur in den Trollhöhlen des Internets mit einer Heftigkeit angegangen, als verlangten sie, Sächsisch als alleinige Amtssprache in Bayern einzuführen.

In einer großen Redaktion wie der des »nd« sind die Meinungen zu dem Thema so unterschiedlich wie die Schuhgrößen. Die Faustregel: Große »I« tummeln sich in dieser Zeitung vorwiegend dort, wo jüngere linke AktivistInnen über jüngere linke AktivistInnen schreiben. Dort wiederum unter den Guten mehr als unter den Bösen, also selten bei »Polizisten«, und in längeren Texten selten konsequent. Das ist, zugegeben, noch nicht die beste Lösung!

Der Vorschlag, das 16-seitige bunte Wochen-nd zum Internationalen Frauentag zu gendern, konnte sich nicht durchsetzen. In Ermangelung einer schönen, geschlechtsneutralen Sprache machen wir vorerst weiter wie bisher. Also mal so, mal so. Aber auf jeden Fall so spannend wie möglich! Viel Vergnügen beim Lesen wünscht rst

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