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Ein Jahr ohne Antworten

Keine Spur von dem verschwundenen malaysischen Flugzeug

  • Von Barbara Barkhausen, Sydney
  • Lesedauer: 2 Min.
Vor einem Jahr verschwand die Malaysia-Airlines-Maschine mit der Flugnummer MH 370 spurlos. Auch zwölf Monate später weiß die Welt kaum mehr als am Tag, als das Flugzeug verschwand.

In Australien bestimmt seit Tagen das Gesicht einer blonden, verletzlich aussehenden Frau die Berichterstattung zu MH 370. Danica Weeks, deren Ehemann an Bord des Fliegers war, verkörpert zusammen mit ihren kleinen Söhnen Lincoln und Jack den tief sitzenden Schmerz und die Unsicherheit, die die Angehörigen der 239 Menschen an Bord empfinden. Medien sagte Danica Weeks, sie habe den Trauerprozess noch nicht einmal starten können - ohne konkrete Nachrichten, was wirklich mit dem Flieger und ihrem Mann passiert ist. Spekulationen und Gerüchte bestimmen seit dem 8. März 2014 die Berichterstattung über die Boeing 777, die auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking war.

Viele der Theorien scheinen völlig verrückt. Experten wie Ewan Wilson, Autor des Buches »Goodnight Malaysian 370«, selbst Pilot und Unfallsachverständiger, hält die Theorie um den Piloten für wahrscheinlich. »Der zeitliche Ablauf, das Ausschalten des ACARS-Kommunikationssystems und des Transponders, der Fakt, dass die Signale verstummten, als die Maschine an der Schnittstelle zwischen zwei Kommunikationsbereichen war«, deutet in seinen Augen nicht auf eine Entführung, sondern auf ein Mitglied der Crew hin als Verursacher hin. Das rücke nach Wilsons Meinung Kapitän Zaharie Ahmad Shah in Verdacht. »Ich halte es für das wahrscheinlichste Szenario, dass Zaharie ein psychisches Problem hatte und Selbstmord begehen wollte und dabei offensichtlich Massenmord begangen hat«, sagte der neuseeländische Experte. Offiziell hat Malaysia im Januar alle Menschen an Bord von MH 370 für tot erklären lassen. Doch auch zwölf Monate nach dem Verschwinden gibt es keinen Absturzort, keine Trümmer oder Leichen.

Trotzdem sucht das australische Team nach wie vor den 60 000 Quadratkilometer großen Bereich ab, der nach den stündlichen Kontaktaufnahmen des Flugzeuges mit dem Inmarsat-Satelliten definiert wurde. Über 40 Prozent davon sind bisher untersucht worden - ohne Erfolg. »Ich habe großes Vertrauen, dass das Wrack in unserem Suchgebiet ist und dass wir es finden werden.« Aber der australische Leiter der Suche, Martin Dolan vom australischen Amt für Verkehrssicherheit, ist sich nicht restlos sicher.

Die Suche gestaltet sich aufgrund des teils bergigen und bis 4500 Meter tiefen Grunds des Indischen Ozeans schwierig. Was passiert, wenn die Suche bis Mai nichts ergibt, ist noch nicht entschieden. Der australische Premier Tony Abbott sagte im Parlament, dass er nicht versprechen könne, dass die »Suche in dieser Intensität für immer weitergehe«. Sein Stellvertreter Warren Truss wies jedoch Medienberichte zurück, die behaupteten, dass Australien bereits überlege, die Suche abzubrechen.

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