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Handwerk will Flüchtlinge

Betriebe brauchen Fachkräfte und würden gerne Asylsuchende beschäftigen

  • Von Florian Naumann, Freising
  • Lesedauer: 3 Min.

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Das Handwerk will Flüchtlinge in Ausbildungsplätze bringen - und fordert ein Bleiberecht für die Dauer der Lehre »plus x«. Erfolgschancen scheinen entsprechende Vorstöße aber nicht zu haben.

»Neuland« habe er betreten, sagt Kreishandwerksmeister Martin Reiter aus dem oberbayerischen Landkreis Freising: Ausgerechnet mit einer »Ausbildungsoffensive« habe er sich einiges Stirnrunzeln eingehandelt. Reiter will im Raum Freising Asylsuchende in vakante Ausbildungsstellen vermitteln. Mit diesem Ansinnen stößt er allerdings auf bürokratische Hindernisse. Deshalb fordert er ein Bleiberecht für Flüchtlinge in Ausbildungen: »Drei Jahre für die Ausbildung und dann noch zwei mehr. Es soll sich ja für alle lohnen.«

Vor kurzem organisierte Reiter in Freising ein Treffen für die Handwerksmeister und interessierte Asylsuchende. »Wir wollten vorstellen, was für Berufe und Möglichkeiten es überhaupt gibt«, sagt der Trockenbau-Experte in sattem altbayerischem Dialekt. Mehr als 50 Flüchtlinge aus dem Landkreis kamen. »Das waren zum Großteil sehr freundliche und interessierte Leute«, berichtet Reiter. Auch die Obermeister der Handwerkssparten seien angetan gewesen. Dennoch: Ohne geklärten Aufenthaltsstatus dürfen die Asylsuchenden laut Reiter derzeit nicht mal ein Praktikum absolvieren - aus Versicherungsgründen.

Reiter ist nicht der einzige, der in sicheren Ausbildungsverhältnissen für Flüchtlinge eine doppelte Problemlösung sieht: für den Mangel an Auszubildenden im Handwerk und für die bisweilen quälende Untätigkeit, zu der sich viele Asylsuchende gezwungen sehen. »Ähnliche Projekte und Initiativen schießen in allen Regionen aus dem Boden«, sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer.

Für das Handwerk liege es nahe, Flüchtlingen eine Chance auf »eine berufliche Ausbildung, einen Arbeitsplatz oder gar auf eine Karriere zu ermöglichen«, erklärt Wollseifer weiter. Das sei ein »Mosaikstein« in den Bemühungen des Handwerks rund um die Fachkräftesicherung. Anfang Februar hatten parteiübergreifend auch drei Ministerpräsidenten das Thema aufgegriffen. Die Länderchefs aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen, Winfried Kretschmann (Grüne), Malu Dreyer (SPD) und Volker Bouffier (CDU), forderten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in einem Brief auf, jungen Asylbewerbern einen Aufenthalt für eine Ausbildung zu ermöglichen - nach Möglichkeit auch einige Zeit über die Lehre hinaus.

Eine Forderung, die auch Wollseifer und Reiter äußern. »Betriebsinhaber brauchen vor allem Rechts- und Planungssicherheit. Die Politik muss die Voraussetzung dafür schaffen, dass die jungen Menschen ihre Ausbildung abschließen können«, meint er. »Wir brauchen ein humanitäres Bleiberecht für die Dauer der Ausbildung plus x«.

Wie es mit dem Vorstoß der Ministerpräsidenten weitergeht und ob das Ansinnen des Handwerks Aussichten auf Erfolg hat, scheint vorerst unklar - trotz Unterstützung aus den Reihen der Wirtschaft. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat sich bereits ablehnend zu den Forderungen geäußert.

Dass es im Land großes Interesse an Ausbildungen für Asylsuchende gibt, scheint offensichtlich. »Viele Flüchtlinge waren begeistert«, erzählt Reiter über seine Erfahrungen. Auch gegen Ausbildungsplätze für ältere Asylbewerber hätte er nichts einzuwenden. Er berichtet etwa von einem erfahrenen Schreiner aus Afghanistan, der gerne in Oberbayern wieder in seinem Beruf arbeiten würde. Die modernen Maschinen des deutschen Handwerks müsse der Asylbewerber allerdings erst noch kennenlernen.

Reiter denkt sogar darüber nach, in Eigenregie Deutschkurse für Interessierte anzubieten. Er sei in Gesprächen mit pensionierten Lehrern über ein ehrenamtliches Engagement als Sprachkurs-Leiter. »Aber das alles zu organisieren, ist als ehrenamtlicher Kreishandwerksmeister natürlich nicht so leicht«, sagt Reiter. Er würde sich mehr Unterstützung von politischer Seite wünschen - und hofft jetzt zumindest auf baldige Entscheidungen in den Asylverfahren der Azubis in spe. epd/nd

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